Gewitternacht

Tag 30, Sonntag 05.07.15

Am Morgen umfängt absolute Windstille bei bereits hochsommerlichen Temperaturen das Boot. Morgen soll dagegen viel Wind mit über 20 Knoten kommen, also ein Hafentag, und am Dienstag wird wieder mäßiger Segelwind wehen. Dann möchte ich die Qualle treffen, denn Berni hat sich erneut für einen voraussichtlichen Stop in Ærøskøping angekündigt. Ich bin ziemlich unentschlossen. Einerseits möchte ich mein kleines Idyll nicht schon wieder verlassen, andererseits auch die Möglichkeit nutzen, die Truppe vom „Schönsten Stagsegelschoner der Ostsee“ zu treffen. Aber nachdem ich nun bereits vier Wochen lang Pläne geschmiedet habe, die mich das Wetter etliche Male verwerfen ließ, vertraue ich auch in diesem Fall auf Fügung und die Milde von Rasmus. Bis Dienstag Abend komme ich schon irgendwie nach Ærøskøping… Weiterlesen

Rückzugsort

Tag 29, Samstag 04.07.15

An diesem Morgen wecken mich die Geräusche allgemeiner Betriebsamkeit, die vom Steg und den Nachbarbooten herüberklingen. Dies ist zum einen sicher dem Liegeplatz am Mittelsteg zwischen all den anderen Schiffen geschuldet, zum anderen ist aber auch nicht zu übersehen, daß die Ferien angebrochen ist. Der Hafen füllt sich mit dänischen wie deutschen Familien und Chartercrews. Dies löst in mir den Impuls aus, mit meinem kleinen Boot an einen entlegenen Ort zu segeln, wo nicht so viele Menschen um mich herum sind.  Weiterlesen

Back to the roots

Tag 28, Freitag 03.07.15

Heute hat Rasmus Hafentag. Avernakø vertage ich allerdings abermals, da Petra und Steffen sich von der Schlei kommend für den Abend in Søby angesagt haben. Es wird wohl eine Motorstecke für sie, und zu einem guten Teil zu meinen Ehren, da die beiden mich ohnehin schon aus der Ferne begleiten und nun persönlichen Anteil an meiner Reise nehmen wollen. Also steuere ich erneut Søby an, während Jörg und ich uns voneinander verabschieden, da er zurück Richtung Schlei segeln wird. Bei 2 Knoten Wind aus Nordwest ist das mehr dümpeln als segeln. Aber querab Drejø erwische ich ein Windfeld, so daß ich eine Zeit lang einen Anlieger auf den Norden Ærøs hinbekomme. Allerdings währt dies nicht lange, also dümpele ich einmal mehr Søby entgegen. Ich lasse mich davon nicht beeindrucken, mache mir Roxette an und lasse mich gut vier Stunden lang nach Norden treiben. Der Wind dreht auf West, ich drehe mit, und aus der Idee, den beiden bis Skjoldnæs entgegen zu segeln wird so natürlich nichts.  Weiterlesen

Nie wieder Calais – Immer wieder Drejø

Tag 27, Donnerstag 02.07.15

Mache einen Plan und ändere Ihn. Für heute hatte ich den Sprung nach Avernakø geplant. Schon morgens pustet es mit gut 15 Knoten aus Südost bei strahlendem Himmel und sehr sommerlichen Temperaturen. Marc berichtet als Systemadministrator übereinstimmend mit dem DMI-Aushang am Hafen – hier ist nur das Kauf-Ønet zu haben – daß der Wind heute konstant mit 8m/s wehen soll. Der Blick aus dem Niedergang offenbart Schaumkronen auf dem Wasser, der Blick auf den Nexus 14 Knoten Windgeschwindigkeit. Also sind sich Herr Beaufort, der Däne, Mr. Nexus, mein Mann und ich bezüglich der Lageschätzung einig. Bei so viel Harmonie kann das ja nur ein guter Tag werden.  Weiterlesen

Drejø

Tag 26, Mittwoch 01.07.15

Dieser Tag war von mir schon als Drejø-Hafentag gesetzt, Jörg zieht mit. Der Hafen liegt nach Südosten geschützt, bei der gestrigen Windrichtung also ruhiges Liegen garantiert. Über Nacht hat der Wind auf Südost gedreht, somit steht nun eine kleine Welle aus dieser Richtung in den Hafen, die durchläuft und an der Steinmole unter Land etwas reflektiert wird. Möglicherweise schüttelig für uns, aber dem gegenwärtig sehr flauen Wind auch an einem Dalben hängend kein Drama. Als Tagesporgramm bietet sich ein Spaziergang an, vormittags gehen wir gemeinsam den Kyssti um den Südzipfel der Insel herum. Landschaft, Wiesen und Heckenrosen. Es riecht nach Sommer und Meer. Endlich ist es schön warm, regentechnisch fand ich es zwar bislang nicht so schlimm, aber es war teilweise richtig kalt!  Weiterlesen

Ærødynamisch

Tag 24, Montag 29.06.15

Ich bin so unentschlossen. Heute ist Segelwind. Ich habe noch ein massives Smaøer-Defizit. Die kleinen Inseln wollen noch besucht werden. Aber ich möchte auch noch ein paar schöne Bilder vom Ort machen. Und mir die bunten Hütten am Vesterstrand ansehen. Dafür fehlte mit Wiebke leider die Zeit. Und am Besten alles in Ruhe. Und überhaupt!  Ach was solls, Hafentag! Ich sollte diese Entscheidung nicht bereuen!

Das kleine Städchen ist wunderschön, ich schlendere ausgiebig durch die Gassen und den Hafen. Fotografiere Fachwerk und Stokckrosen im Dutzend in hochkant und Querformat. Kaufe Mitbringsel. In „Det Gamle Værft“ schaue ich kurz rein, dort soll ich von Joacim aus Svendborg einen Christian grüßen, sollte er da sein. Ich kann ihn nicht ausmachen und frage aber auch nicht weiter nach. Anschlìeßend verhole ich mich bei strahlender Sonne an den Vesterstrand. Die Häuschen sind bunt und gemütlich, der Strand ist flach, kinderfreundlich und wartet mit karibischen Farben auf. Heute ist ein Strandtag ganz ohne Ölzeug! Eingelullt vom Wellenplätschern liege ich im Sand und lasse Rasmus einen guten Mann sein. Eine Stunde? Zwei? Keine Ahnung. Das ist doch mal ærødynamisch. Weiterlesen

Prosecco-Anker

Tag 23, Sonntag 28.06.15

In der Tat haben sich Rasmus und Petrus über Nacht ausgetobt und liegen noch in ihren Kojen, als wir selbige am Sonntag verlassen. Der Spuk von gestern ist vergessen, Hobo hatte uns in den Schlaf gebockt und liegt nun ganz friedlich am Steg. Der Nachbar auch. Also, nicht der Nachbar (ich habe ihn nicht niedergestreckt), aber sein Boot.

Leichter Wind, strahlender Sonnenschein, tiefblaues Meer und der am Vortag vermisste klare Blick auf die leuchtend grünen Inselbänder jenseits des Wassers – Wiebke bekommt doch noch die gebuchten all-inclusive Leistungen. Der Blick ist sogar so klar, daß wir mit bloßem Auge die Glazialmorphologie (Morfowas?…naja, Eiszeitlandschaft eben…) des Inselmeeres bis Rudkøping studieren können und ich ihr am „lebenden“ Objekt zeigen kann, welchen Weg ich bisher genommen habe.  Weiterlesen

Fifty Shades of Grey vs. The Truman Show

Tag 22, Samstag 27.06.15

Der kommende Morgen bringt sehr diesiges Wetter mit schwachen südlichen Winden. Erst am Nachmittag gegen 17 Uhr soll der Wind auffrischen und auf Nord-West drehen. Das Frühstück erfolgt immerhin „planenlos“ mit einer zünftigen Kollektion aus der ortsansässigen Bageri, wobei die von Wiebke heiß ersehnten Tebirkes (diese wunderbaren dänischen Blätterteigbrötchen) bereits ausverkauft waren…

Die Sonne kämpft immer mal wieder um Durchblick, kann sich aber nicht durchsetzen, so daß die Landmassen von Avernakø und Lyø nur schemenhaft im Grau aus Wasser und Himmel erkennbar sind. Wäre ich alleine, wäre dies ein Hafentag. Aber da Wiebke da ist, wäre ein kleiner Schlag schon schön. Der Plan, rund Avernakø zu segeln, ist allerdings vom Tisch. Aber Lyø mit südlichem Wind anlaufen und mit dem Winddreher nachmittags zurück könnte gehen. Weiterlesen

Meine ungeFÄHRE Position

Tag 21, Freitag 26.06.15

…richtet sich anscheinend nach dem Fahrplan der Inselfähren. Will heißen: wo ich bin, kann die „Großschiffahrt“ nicht weit sein!
So auch heute: auf Birkholm und im direkt vor der Insel befindlichen Fahrwasser nördlich von Marstal und Ærøskøping bin ich vor den Teilen sicher. Wahrscheinlich trödele ich deswegen intuitiv auf dem kleinen Eiland herum, bis der Hafen gegen Mittag fast leer ist. Landseitig umgefahren zu werden, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Weiterlesen