Very British

Tag 36, Samstag 11.07.15

Heute will ich Karen treffen, die von London nach Billund einfliegt und netterweise von meiner Mutter auf Zuruf irgendwo an die Küste gebracht wird. Irgendwo ist nach aktueller Windlage Fynshav, was für mich einen frühen Pyjamastart bedeutet, denn der Weg ist etwas weiter, der Wind weht aus der Richtung, in die ich will und wird im Übrigen im Verlauf des Vormittags einschlafen. Rasmus ist müde beziehungsweise: er treibt wieder seinen Schabernack. Oder mit Bernis Worten: „Wer Zeit hat, hat den richtigen Wind“. Im Prinzip habe ich Zeit, denn die beiden warten auf mich. Was bleibt ihnen auch sonst über. Zur Not könnte ich auch immer noch Søby anlaufen, und Karen käme mit der Fähre rüber. Karen ist da very british tiefenentspannt. Aber mein Søby-Pensum ist voll, ich möchte gerne Richtung Alsen zurück. Weiterlesen

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Boa Viagem!

Tag 35, Freitag 10.07.15

Der Wetterbericht soll recht behalten. Am morgen bläst es noch immer mit mehr als 20 Knoten aus Nordwest. Ich bin für das Frühstück auf der Qualle abgemeldet, dann abr doch gegen 8:30 Uhr wach, so daß ich mein Schönheitsköffrchen packe, im Verkehrshafen zum Duschen gehe und gleichauf mit der Qualle-Familie dem lokalen Schönheitsalon entsteige. Heute war Haarewaschtag. Ich bin voll durchgestyled (will heißen Hare einmal durchrubbeln und dan lufttrocknen lassen). Das Leben kann so einfach sein. Also laufe ich doch pünktlich zum Frühstück im Salon der Qualle auf, wo ich bereitwillig mitgefüttert werde. So macht eingeweht werden Spaß. Die Truppe hatte meine vorläufige Verabschiedung am Vorabend ohnehin nicht für voll genommen. Weiterlesen

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Seemannsgeburtstag

Tag 34, Donnerstag 09.07.15

Rasmus gibt alles. Oder zumindest viel. Im Verlauf des Tages wird mein Nexus mehr als 30 Knoten Wind anzeigen. Vor die Frage, ob die Qualle weitergeht, hat der Herrgott aber ein Frühstück und eine Geburtstagsbescherung gestellt, die den Chefe dann doch zu freuen scheint. Nachdem er seinen Morgen-Auferstehungskaffee intus hat (vor dem ersten Kaffee Klappe halten), ist er als Schiffsführer und vor allem Geburtstagskind ansprechbar. Im Ærø-Laden am Markt haben wir einige Schweinereien zur Förderung der Stimmung und der Kalorienbilanz besorgt, die durchaus Anklang finden.  Weiterlesen

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Du hast die Haare schön!

Tag 33, Mittwoch 08.07.15

Die Tage auf der Qualle folgen einem gewissen Zeitplan, gefrühstückt wird meist um 09:00 Uhr, was meinem gegenwärtigen Biorythmus widerspricht, aber bei Vorzugsbehandlung gehört es sich nicht zu meckern!

Immerhin hatte ich ja eine Außenkabine ohne Fenster aber mit Wellnesbereich (Hobo hat eine Aussenkabine mit Panoramaverglasung und Balkon, dafür ohne Wellnessbereich = Waschbecken…) und ich erhalte Vollpension und Shuttle-Service. Also revanchiere ich mich mit einer Runde Brötchen zum Frühstück, das wir wegen lauter Sandstrahlarbeiten auf der Werft nebenan drinnen zu uns nehmen. Weiterlesen

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Qualle Ahoi!

Tag 32, Dienstag 07.07.15

Während zwei der Schlei-Crews schon von dannen ziehen – sie waren aus verschiedenen Richtungen zusammengetroffen und segeln zu unterschiedlichen Zielen weiter – bereite ich mir in Ruhe mein Frühstück mit Rührei und Speck im Cockpit zu. Das Layout eines Kleinkreuzers ist eine Riesenfreude für jeden Sicherheitsbeauftragten: ständiges Räumen, um etwas Abstand zwischen externen 12 Liter Benzintank achtern an Steuerbord und Gasgrill mit offener Flamme zu bringen. Optimal ist anders, denn das Cockpit und Boot sind nur mäßig weitläufig. Was wäre das Leben ohne etwas Nervenkitzel. Weiterlesen

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Möwe mit Gin

Tag 31, Montag 06.07.15

Der angesagte Wind 20 kn aus Südwest kommt. Hafentag. Es hat sich abgekühlt, ist aber immer noch schön und sonnig, nur daß das Morgenbad im Hafen dank des durchgequirlten Wassers etwas frischer ausfällt. Ich sitze den Vormittag über im Boot und schreibe Blogeinträge vor. Tatsächlich wird es bis zu Hause dauern, bis ich die Zeit fürs Internet finde bzw. ein brauchbares Netzt das Einstellen möglich macht. Das echte Leben hat Vorrang!

Während meiner gelegentlichen Besuche auf der Pier fällt mir auf, daß der Schritt nach oben immer größer wird und schließlich kein Schritt mehr, sondern ein Klettern ist. Zeit, die Leinen nachzugeben, was Hobo dankbar zur Kenntnis nimmt. Der stramme Wind hat den Wasserstand um über einen halben Meter sinken lassen, und so nehme ich auch den Kiel hoch. Die Nachbarn liegen im Modder, nehmen das aber gelassen, morgen kommt das Wasser ja wieder. Weiterlesen

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Gewitternacht

Tag 30, Sonntag 05.07.15

Am Morgen umfängt absolute Windstille bei bereits hochsommerlichen Temperaturen das Boot. Morgen soll dagegen viel Wind mit über 20 Knoten kommen, also ein Hafentag, und am Dienstag wird wieder mäßiger Segelwind wehen. Dann möchte ich die Qualle treffen, denn Berni hat sich erneut für einen voraussichtlichen Stop in Ærøskøping angekündigt. Ich bin ziemlich unentschlossen. Einerseits möchte ich mein kleines Idyll nicht schon wieder verlassen, andererseits auch die Möglichkeit nutzen, die Truppe vom „Schönsten Stagsegelschoner der Ostsee“ zu treffen. Aber nachdem ich nun bereits vier Wochen lang Pläne geschmiedet habe, die mich das Wetter etliche Male verwerfen ließ, vertraue ich auch in diesem Fall auf Fügung und die Milde von Rasmus. Bis Dienstag Abend komme ich schon irgendwie nach Ærøskøping… Weiterlesen

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Rückzugsort

Tag 29, Samstag 04.07.15

An diesem Morgen wecken mich die Geräusche allgemeiner Betriebsamkeit, die vom Steg und den Nachbarbooten herüberklingen. Dies ist zum einen sicher dem Liegeplatz am Mittelsteg zwischen all den anderen Schiffen geschuldet, zum anderen ist aber auch nicht zu übersehen, daß die Ferien angebrochen ist. Der Hafen füllt sich mit dänischen wie deutschen Familien und Chartercrews. Dies löst in mir den Impuls aus, mit meinem kleinen Boot an einen entlegenen Ort zu segeln, wo nicht so viele Menschen um mich herum sind.  Weiterlesen

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Back to the roots

Tag 28, Freitag 03.07.15

Heute hat Rasmus Hafentag. Avernakø vertage ich allerdings abermals, da Petra und Steffen sich von der Schlei kommend für den Abend in Søby angesagt haben. Es wird wohl eine Motorstecke für sie, und zu einem guten Teil zu meinen Ehren, da die beiden mich ohnehin schon aus der Ferne begleiten und nun persönlichen Anteil an meiner Reise nehmen wollen. Also steuere ich erneut Søby an, während Jörg und ich uns voneinander verabschieden, da er zurück Richtung Schlei segeln wird. Bei 2 Knoten Wind aus Nordwest ist das mehr dümpeln als segeln. Aber querab Drejø erwische ich ein Windfeld, so daß ich eine Zeit lang einen Anlieger auf den Norden Ærøs hinbekomme. Allerdings währt dies nicht lange, also dümpele ich einmal mehr Søby entgegen. Ich lasse mich davon nicht beeindrucken, mache mir Roxette an und lasse mich gut vier Stunden lang nach Norden treiben. Der Wind dreht auf West, ich drehe mit, und aus der Idee, den beiden bis Skjoldnæs entgegen zu segeln wird so natürlich nichts.  Weiterlesen

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Nie wieder Calais – Immer wieder Drejø

Tag 27, Donnerstag 02.07.15

Mache einen Plan und ändere Ihn. Für heute hatte ich den Sprung nach Avernakø geplant. Schon morgens pustet es mit gut 15 Knoten aus Südost bei strahlendem Himmel und sehr sommerlichen Temperaturen. Marc berichtet als Systemadministrator übereinstimmend mit dem DMI-Aushang am Hafen – hier ist nur das Kauf-Ønet zu haben – daß der Wind heute konstant mit 8m/s wehen soll. Der Blick aus dem Niedergang offenbart Schaumkronen auf dem Wasser, der Blick auf den Nexus 14 Knoten Windgeschwindigkeit. Also sind sich Herr Beaufort, der Däne, Mr. Nexus, mein Mann und ich bezüglich der Lageschätzung einig. Bei so viel Harmonie kann das ja nur ein guter Tag werden.  Weiterlesen

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