Das Meer ist rosa

Draußen ist es stockdunkel. Hafenlichter blitzen durch das schwarze Salonfenster. Gerade legt die vorletzte Hafenfähre des Tages wenige Meter vom Liegeplatz der HAMBURG EXPRESS in Hamburg-Finkenwerder an und schüttelt das Innenleben der 14 Meter langen Ausbildungsyacht gepflegt durcheinander.

Es ist 22:55, unser Boot ist seit zehn Minuten fest. Ich bin gerade dabei, eine 0,5 Liter-Dose Astra zu vernichten. Unser Anlegebier. Bis zu meiner Fähre um 23:15 – der letzen des Tages – muss das Riesending leer sein. Ich bin schon nach der halben Dose breit. Die Ausbildung der letzen sechs Tage zum SportSeeSchifferschein und die heutige Prüfung zum SSS waren anstrengend, intensiv und schlafarm, und gegessen habe ich heute auch nicht viel.

Aus der gegenüberliegende Ecke der beige-blau gemusterten Solon-Eckbank der GybSea 43 grinsen mich Stefan und unser Ausbilder Rüdiger Fenck an. Wir waren zu sechst in der Crew. Vier von uns haben die Prüfung absolviert. Drei bestanden.

Zwei – Stefan und ich – sind geblieben, um die HAMBURG EXPRESS zusammen mit Skipper Rüdiger zurück nach Finkenwerder zu bringen. Mit der Tide statt mit der Bahn. Ganz standesgemäß.

Wären wir nicht gewesen, hätte Yachtschulbetreiber Robert Eichler einen zweiten Skipper nach Cuxhaven geschickt, wo wir als Crew in den vergangenen Tagen sowohl die Reede vor dem Amerikahafen als auch Rüdiger aufgemischt haben. Sicher erfüllt Robert nüchtern betrachtet mit der Doppelbesetzung seine Sicherheitsauflagen – aber er ist dabei auf maritim-zackige Weise fürsorglich. Menschlich. Kompetent. Er kümmert sich. Um seine Skipper als auch um uns Schüler.

Wir aufs Stichwort klingelt Rüdigers Telefon. Robert ist dran. Hat das AIS Signal der HAMBURG EXPRESS verfolgt, das unsere genaue Position an der Außenseite des Stegs anzeigt. Neulich hat eine Hafenfähre den Ponton zu Klump gefahren. Die Boote waren glücklicherweise noch im Winterlager. Wir mögen doch bitte die HAMBURG EXPRESS hinter den Steg verlegen. Nicht das Rüdiger und Stefan erwischt – die beiden werden an Bord übernachten…“Da kommt gerade Roberts Theologiestudium voll durch…!“, kommentiert Rüdiger dRoberts Anruf und dessen ersten Bildungsgang.

Sechs Tage zuvor.

Dienstag, Tag 1:

Seelsorgerischer Beistand scheint mir tatsächlich nicht die schlechteste Option für die kommenden Tage.

Unser Skipper Rüdiger ist zwar kein Theologe, bekommt das Zwischenmenschliche und Fachliche aber auch so gut hin. Er ist mit allen Seewassern gewaschen. Trotzt einem aufkommenden Schnupfen. Mit Aspirin Komplex und Salbeibonbons im Anschlag versucht er scherzend seine schwindende Stimme am laufen zu halten, während er uns Schiff, Sicherheitsrollen und Motor erklärt.

Er und Robert, der an Tag zwei und drei morgens eigens von Hamburg anreist, sorgen während der ersten drei Tage für Druckbetankung mit relevantem SSS-Wissen. Aber zunächst ist geballte Theorie dran – die HAMBURG EXPRESS bleibt bis auf ein paar Hafenmanöver angebunden.

Worauf habe ich mich da eingelassen?!? Nicht nur, dass ich in sechs Tagen den souveränen Umgang mit einem 43-Fuß Schiff unter Beweis stellen soll. Kartenplotter, Radar und GPS verstehen und nutzen. Eine Crew managen.

Nein, wie um alles in der Welt soll ich all das mit null Privatsphäre lernen? Mit sechs wildfremden Personen, von denen eine sich mit mir die Vorschiffkoje teilen wird? Der SSS ist auch ein zwischenmenschlicher Stresstest. Mein erster Impuls ist Flucht von Bord. In einem stillen Moment scanne ich das Airbnb-Angebot Cuxhavens.

Rüdiger gibt uns Hausaufgaben. Signalisiert unmissverständlich, dass wir das Gelehrte üben müssen. Und dass das nur im Team geht. Oben am Steg liegt das Segler-Clubhaus der Liegegemeinschaft Cuxhaven Fährhafen. Gemütlich. Diese Option auf gelegentlichen Rückzug lässt mich bleiben.

Mittwoch, Tag 2:

Ok, die Crew passt. Ein bunter Haufen unterschiedlichster Charaktere. Aber wir kommen klar, haben uns am Vorabend beim Essen beschnuppert und einander für gut befunden.

Ich beschließe, an Bord zu bleiben. Anders wird es kompliziert bis unmöglich, die elektronische Navi durchzuspielen. Die ist nämlich auch Roberts Hausaufgabe. Und da wir bis 18.00 im Kurs sind, danach Essen und aufräumen, wird es 21.00 Uhr, bevor wir loslegen. „Das hier ist kein Party-Törn. Ihr MÜSST lernen. Setzt Euch abends hin und erklärt Euch die Themen gegenseitig.“ Robert gibt uns klare Weisungen mit auf den Weg. „Ihr könnt dabei natürlich ein Glas Rotwein trinken.“

Auf dem Salontisch liegt die bis zur Woche 09/2018 berichtigte Seekarte der Elbe vor Cuxhaven. Ich frage mich, ob Rotweinränder auf Seekarten ein Durchfallgrund sind. Wir machen uns an die Arbeit. Es wird spät. Aber nicht wegen intensiven Rotweingenusses…

Mittwoch, Tag 3:

Übungsmodus. Die Welt besteht heute aus 43 Fuss und Mann-über-Bord-Manövern. Zwischenmenschlich haben wir unseren Rythmus gefunden. Frühaufsteher und späte Vögel ergänzen sich. Die einen kochen den Kaffee für die anderen und halten erstmal die Klappe, bis alle auf Betriebstemperatur sind. Skipper Rüdiger ist trotz fortschreitender Erkältung Vollprofi. Er trägt ein weltoffenes Dauerlächeln im Gesicht. Selbst dann, wenn magnetische Stege oder Tonnen der HAMBURG EXPRESS zu nahe kommen. Naja, vielleicht ist das Dauerlächeln dann etwas gequält. Aber nur ganz kurz.

Bertha allerdings würde sicher gequält lächeln, wenn sie es denn könnte. Als 45 kg Dummy ist sie Meisterin im Eisbaden. Nicht nur sie, auch wir kommen ganz schön Ins Schwimmen. Ohgottohgottohgott. Das MOB-Manöver klappt NIE bis zur Prüfung am Sonntag! Wo ist der Theologe, wenn man ihn braucht?

Er ist tatsächlich da! Und sorgt auf den Punkt für eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Während Rüdiger die HAMBURG EXPRESS zum Ankern auf 5m Wassertiefe fahren will, ertönt Roberts Stimme aus dem Bauch unserer Arche Noah: „Wie viel Wasser hast Du, Rüdiger?“

„6 Meter!“ – „Nein, Du hast zwei Meter“. Robert übt gerade unter Deck mit einigen von uns am Kartenplotter. Die HAMBURG EXPRESS hat 1,70 Meter Tiefgang. Und irgendwer hat das Lot im Cockpitt auf „Feet“ eingestellt. Bei etwa 30 cm Wasser unter dem Kiel schlagen wie einen wohlbedachten Haken zurück in tiefere Gewässer. Zur Seefahrt gehört auch so etwas wie Glück. Oder ist es höherer Beistand?

Donnerstag, Tag 4:

„Ihr wart heute gar nicht so übel!“ meine ich Bertha sagen zu hören, als wir sie nach hartem Tagwerk zärtlich an Deck ablegen. Radar geht auch einigermaßen. Nur der Kartenplotter des Herstellers Bruch&Gehtnicht bleibt mir dank seiner wirren Menüführung verschlossen. Spät am Abend finde ich heraus, dass ich geduldig sein muss. Eine Route antippen. Warten. Noch etwas warten. Dann schließlich färben die Wegepunkte sich grün und lassen sich editieren. Klar. DIE Geduld. Ist weiblich. Ganz meine Stärke. Besonders drei Tage vor der Prüfung in vollem Bewusstsein meiner punktuellen fachlichen Defizite!

Freitag, Tag 5:

Die Notrollen stehen noch aus. Kopf kaputt, Achterstag ab, Vorstag verbogen, Boot brennt, Salon säuft ab.

Wo sind Beil, Epirb und Leckstopfen? Wie den Motorraum löschen? Wir simulieren, wie es sich anfühlt, wenn sich sechs Leute „nach Notrolle“ im Weg herumstehen und wirr durcheinander Meldung machen.

Am Abend laden wir Rüdiger zum Essen ein. Es wird eine sehr entspannte Runde. Fast ohne Fachgespräche, mit Blick auf Elbe und die taubengrau heraufziehende Dämmerung. Rüdiger berichtet von der Reaktion einer Schülerin auf den flapsig gemeinten Kommentar: „Wenn Gott gewollt hätte, dass Frauen zur See fahren, hätte er das Meer rosa gemacht.“ Ihre souveräne Reaktion: Lächeln und Schweigen. Und Stunden später, in der Dämmerung, der Hinweis: „Und JETZT ist das Meer rosa!“

Um 20.00 Uhr sitzen wir wieder im Salon. Wollen Lernen. Kommen aber ins Quatschen. Giessen Bierlachen auf die Seekarte. Das macht keine Flecken. Es wird 22.00 und ich denke schon über Bettruhe nach, als wir doch noch beginnen, über die Notmanöver zu diskutieren. Schlagartig läuft sie Stimmung heiss. Eine gewisse Grund-Nervösität ist nicht von der Hand zu weisen.

Samstag, Tag 6:

Wir gehen noch einmal auf der Reede gegenüber spielen. Will heissen: noch einmal alles durchspielen. Wenig Wind heute. Südost. Doof für Segelmanöver. Zu allem Überfluss lässt Bertha mich hängen. Treibt auf dem Rücken, über ihrer Rettungsschlaufe. Keine Chance, sie aufzunehmen. Dritter Anlauf. Die Tide und die magnetische Reedetonne ziehen die Puppe elbaufwärts. Jetzt muss es klappen, sonst sehen wir sie erst hinter der Sandbank wieder. „Jaaa, dann macht jetzt mal flott…!“ meint Rüdiger nur. Bertha, Du olle Zippe!

Hafenmanöver. Plotten. Ich habe das Gefühl, dass es morgen bei der Prüfung klappen müsste. Trügerisch?

Nach dem Abendessen an Bord gehen wir uns in stiller Übereinkunft aus dem Weg. Ich sitze dann doch noch mit Stefan und dem Crewkollegen Edgar in der Seglerstube. Jeder liest still für sich. Ab und zu gegenseitiges Fragen. Ein letzter Versuch, die Unsicherheiten bei Wetterkunde, KVR vs. SeeSchStrO und Notmanövern zu beseitigen.

Die Nerven…

Sonntag, Prüfungstag:

Gegen 10.00 steigen die zwei Prüfer an Bord. Vom ersten Eindruck her ein „Good Guy“ und ein „Bad Guy“. Wir treten nur zu viert an. Kollege Piet hatte sich schon zu Beginn des Törns als „Crew“ geoutet. Und nun legt ausgerechnet Mitstreiterin Tanja, die in allem so sicher ist, ihre Karten ebenfalls auf den Tisch. Auf Roberts Empfehlung erst jetzt. Schade. Ich bin sicher, sie bekäme es hin. Tanja will im Mai nach einem zweiten Törn antreten. Lob von den beiden. „Ihr habt das fair hinbekommen. Andere Crews lassen die Leute ohne Prüfung manchmal gar nicht ran…!“

Wir erklären die beiden zu den wichtigsten Personen an Bord: als Catering-Beauftragte schmieren sie Brote, kochen Kaffee und sperren Augen und Ohren für uns auf…

Heute Nacht habe ich vom perfekten Crew-Briefing geträumt. Das mache ich jetzt! „Dann los!“ Der Prüfer steht auf. „Moment, bevor jetzt alle losspringen bitte im Cockpit Manöverbesprechung…!“ Der gute Start gibt mir Sicherheit. Das Ablegen klappt einwandfrei. Wir haben zuvor mit den Prüfern erörtert, dass wir die Leinen mit den sperrigen Ruckfendern am Steg liegen lassen – für die zunächst geplanten Anlegemanöver. „As you wish, madam!“ meint der Good Guy. „You are the Skipper!“

War nicht so schlau. Ich bin 20 Meter vom Steg weg, als er anmerkt: „Da ist jetzt gerade ein Kind über die Leinen gefallen, Platzwunde am Kopf, wass machen Sie jetzt?“

So geht es zu in der Prüfung. Aus jeder schlauen Antwort kann eine bohrende Nachfrage werden. Aber die Prüfer haben klar zu verstehen gegeben: „Sie können alles machen, wenn sie es plausibel erklären können.“ Er lässt mich ziehen. „Alles gut!“, meint er beruhigend. „Nur mal als Anmerkung!“

An Deck lauern wir auf die zu lösenden Aufgaben. „Plötzlich und unerwartet…“ ist der Wortlaut, der einem Notmanöver vorangeht. Beide Prüfer haben uns unmissverständlich klargemacht, dass das auch schönste Manöver bei fehlender namentlicher Creweinteilung nicht gewertet wird. Aber ein: „Stefan, wen hast Du gerade für Fender eingeteilt?!? Habe ich nicht verstanden!“ scheint erlaubt zu sein.

Wir springen auf Ansage los wie von der Tarantel gestochen, zerren Verbandskästen und Löschdecken aus Ihren Halterungen. „Danke…es reicht…wir haben Ihre Funktion und die Ausführung gesehen“, meint der Prüfer, als ich Skipper Rüdiger mit einer verletzten Armschlagarder in die Horizontale auf die Cockpitbank werfe, seinen Arm hochreisse, um ihn dann mit einem Zeising abzubinden. „Abbinden ist übrigens old school…heutzutage macht man einen Druckverband!“ Kurz kommt so etwas wie gelöste Stimmung auf.

Dann die Stunde der Wahrheit unter Deck. Angstgegener elektronisch Navigation. Zwei von uns gegen die Uhr. Standortbestimmung in 15 Minuten. Per GPS, Kreuzpeilung und Radar. Der Prüfer drängelt wohlwollend, schiebt mir das Anlegedreieck zurecht – er ist weniger Bad-Guy als zunächst vermutet. GPS und Kreuzpeilung. „Da haben sie ja schon mal zwei Erfolgserlebnisse“.

An sich ein Selbstläufer. Bis zum Radar. Seitenpeilung. Mist. Wo kann ich auf relative Peilung umstellen? Menüführung à la B&G. Ich knipse den Fluxgate Kompass aus. Lasse mir den Magnetkompasskurs von oben ansagen, addiere die Radarseitenpeilung. „Ihre Zeit ist gleich um!“ Schnell rechne ich das Schema zur Kursumwandlung durch, spreche die Gradzahlen dabei laut mit. „Südtonne peilt in 309 Grad“. Mist, das ist Gegenkurs! Schweigen. Die Zeit ist um. Aber der Gegenkurs scheint nicht das Problem.

„Sind sie sicher, dass sie das richtige Objekt gepeilt haben? Schauen Sie mal. Das ist die Reedetonne.“ Die steht gleich daneben. Eigene Doofheit, kein einzelstehendes Objekte zu wählen. Scheiße!

Dann die erlösenden Worte „Aber mir soll das reichen…Danke!“ Erst später verstehe ich, dass ihm eine einfache Radarpeilung völlig gelangt hätte…Prüfungsstress macht matschig in der Birne. Und ausgerechnet der Nervösität wegen erwischt es dann den sehr erfahrenen Kollegen Markus bei den Navigationsaufgaben. Und nicht Stefan, der sich mit deutlich weniger Erfahrung zuvor wohl still den Kopf über seine Erfolgsaussichten zerbrochen hatte…

Herr Good-Guy hat mich zuvor während der Motorkunde-Fragen sehr nachsichtig von der Ölwanne bis zu den Kolbenringen begleitet. Erstere ist hoffentlich niemals so leer, wie mein Hirn während dieser Befragung. In Ordnung. Motorkunde sitze ich später freiwillig noch mal nach. Gut, dass er nicht noch nach Gasanlagen gefragt hat. „Und, woran erkennen Sie außer einer blauen Abgaswolke noch aufgeschlissene Kolbenringe?“ – „Am Ölfilm auf dem Wasser!“ So ein Boot habe ich auch. Aber das denke ich mir in diesem Moment nur. Ich habe ernsthaft weiche Knie, als die beiden mich entlassen. Tanja und Piet drücken mir einen warmen Pott Tee und einen Keksriegel in die Hand.

Unterdessen macht sich mein Mitprüfling Edgar selbstbewusst gerade, als er für die Ausführung seines Manövers kritisiert wird. „Warum stoppen Sie bei Motorbrand die Maschine nicht?“ – „Weil wir gelernt haben, daß man die Kraftstoffleitungen leerfährt, damit der Diesel nicht ausgast!“ Rüdiger springt ihm bei – und wir bekommen das OK der Prüfer für das gezeigte Vorgehen. Die beiden sind durchaus fair und in einem gewissen Grad entgegenkommend.

Auch, als ich zunächst nicht bemerke, daß beim Beilieger die Maschine eingekuppelt mitläuft. Diese modernen Flüsteraggregate…! Zweimal dreht mir das Boot durch den Wind. Es ist mir ein Rätsel. Rüdiger wuselt um mich herum und murmelt etwas von Ruderlage. „Es reicht!“ – Dafür kassiert er einen deutlichen Rüffel der Prüfer. Aber an der Ruderlage kann es nicht liegen, die stimmt, da bin ich mir sicher. Verdammt. „Beiligen“ ist mein zweiter Vorname, mein Standardmanöver für einhand Stulle schmieren…! Daran DARF es schlicht nicht scheitern! Mitstreiter Markus rutscht unruhig in meinem Einzugsbereich hin und her. Beim dritten Anlauf klappt das Manöver. Oh Wunder!

Die Segelmanöver sind bei wenig Wind eine Hängepartie. Aber das MOB-Manöver ist dennoch ungewohnt einfach. „Sie haben mit Dummy geübt! Das spricht für die Qualität Ihrer Ausbildung!“ haben die Prüfer vorab gelobt. „ Uns reicht die Boje. Sie wissen dann ja, dass es zwei Leute braucht, um jemanden zu bergen…!“. Die Nachricht ist angekommen. Wir zupfen den federleichten Stengel im Liegen aus dem Bach. Kein Vergleich zum Dummy!

Und dann kommt die Weisung, in den Amerikahafen zurückzukehren. Stefan legt an. Jetzt stehen noch Hafenmanöver aus. „Sie wollten doch früh fertig sein und wir wollen mit der Tide nach Hamburg…!“ scherzt Rüdiger. Ein langer Blick von Mr. Good Guy. Ein Nicken. Dann verschwindet er unter Deck. Wie jetzt? Fertig?!?

Beide Prüfer erscheinen mit Sack und Pack auf der Bildfläche. „Dann können wir dreien von Ihnen gratulieren!“ Und wir bitten Sie darum, vielleicht auch mal ein Lob an die Prüfungskommission auszuprechen. Und nicht immer nur Widerspüche!“

Mit aufrichtig wohlwollenden Worten für Markus verabschieden sie sich. Freude und Enttäuschung liegen in diesem Moment nahe beieinander. Unsere neutralen Beobachter Piet und Tanja bemühen sich, Markus etwas aufzubauen. Wir anderen sind deutlich hin- und hergerissen, ich sehe es an unseren Blicken.

Und dann fällt die ganze Anspannung der Woche ab. Irgendwie geht der Aufbruch jetzt zu schnell. Einen kleinen Sherry noch, dann packen Edgar, Markus, Piet und Tanja zusammen und sind weg. Unwirklich, nach einer so intensiven Wochen binnen zweier Stunden von der Deutschen Bahn, die ja eher nicht für Rasanz bekannt ist, zurück in den Hamburger Alltag gespuckt zu werden.

Nein. Nach Hause mit dem Boot ist besser. Da gibt die Tide das Tempo vor. Obwohl sie sicher manchmal schneller als die Bahn ist.

Und nun sind wir fest in Finkenwerder. Das Wasser ist schwarz, alle Theorie ist grau und ich bin blau. Eine Freundin gratuliert mit einer Nachricht zur bestandenen Prüfung: „Glückwunsch! Obwohl das mit Glück ja nichts zu tun hatte!“

Ich möchte da widersprechen. Ohne „Wissen“ und „Können“ geht es natürlich nicht. Aber etwas Glück war dabei. So ist das. Im Leben, in Prüfungen und auf dem Meer, das ich übrigens gerade ziemlich rosa finde.