Der lächelnde Schweinswal. Oder: SönkemitU.

Pfingsten 2017

Ob Rasmus zum Jahreswechsel nachdenklich am Meeresgrund sass, gute Vorsätze im Sinn? Nach dem Motto: „Diesen einen Wintersturm noch, und dann mache ich nur noch Backstagbrisen-Wetter…!“

Ich weiss es nicht. Tatsache ist, dass er schon kurz nach Saisonbeginn in die bekannten grobmotorischen Verhaltensmuster zurückgefallen ist. Er haut zwei Koten Wind raus. Oder Zwanzig. Im unteren Windbereich klafft eine Lücke. In Sachen Beaufort-Feinjustierung hat der Gute noch Potential.

Aber Spaß ist bekanntlich, wenn man trotzdem über Flauteschieben und Hafentage lacht.

Mitte Mai. Zwei Knoten Wind. Rasmus pennt.

Das Niesen der Schweinswale. Gesundheit.

Kaltes Ostseewasser trifft auf nahezu unbewegte zimmerwarme Luft. Nachmittägliche Nebelschleier hängen über der Bucht. Gelangweilt trödeln wir unter Genua von Hørup Hav nach Sønderborg, als es nahe des Bootes niest. Gesundheit!

Durch die darauf folgende Stille rauscht eine feine schwarze Linie an der Wasseroberfläche heran. Wie bei JAGD AUF ROTER OKTOBER. Einschlag in fünf, vier, drei, zwei, eins…

Am Heck angekommen legt sich der vermeintliche Torpedo auf die Seite, gleitet den Rumpf entlang und betrachtet uns dabei mit einem milden Tümmler-Lächeln aus klugen Augen. Drei Mal geht das so, dann verschwindet der Schweinswal in der grünen Dunkelheit und lässt uns staunend zurück.

Zwei Wochenenden später. Zwanzig Knoten Wind. Rasmus hat Schnupfen.

Hafentag. Es wird gesellig. Nicht nur in der Abwaschküche.

Hafentag. In der Abwaschküche der Sønderborg Marina laufe ich vier Herren im angehenden Gleitsichtbrillenalter in die Arme, die trotz Unterjochung durch harte Hausarbeit bestens gelaunt sind. Flapsige Kommentare, die einzige vorhandene Spülbürste und die drei Quadratmeter Grundfläche des Raumes schaffen, nun ja, ich sage mal: so etwas wie eine Vertrauensgrundlage.

Wie hatten die Jungs meinen direkten Mitspüler eben genannt? Ich wüsste doch gerne, mit wem ich es zu tun habe.

„Wie war doch gleich Dein Name? Das war doch was „mit U“…!“

„Ja, Sönke!“

„Prima, also SönkemitU…!“

So kommt es, dass ich kurz darauf in Gesellschaft von SönkemitU und dessen Kumpels auf einer Bank vor der Abwaschküche hocke und die angebotenen Getränke geistreicher sind als die Unterhaltung. Irgendwann kommt die Familie nachgucken. Weil sie mich vermisst. Oder zumindest das Geschirr.

Das milde Lächeln und die klugen Augen haben SönkemitU und der Schweinswal gemeinsam. Soweit ich das durch meine Gleitsichtbrille beurteilen kann. Die Familie hat sich übrigens köstlich amüsiert. Über den Schweinswal. Über SönkemitU und seine Kumpels. Über mich etwa auch?

Die soziale Komponente von Flauten- und Hafentagen wird völlig zu unrecht unterschätzt. Was hätten wir nur bei zehn Knoten Wind getan. Segeln gehen? Wie langweilig!

Und alles nur, weil Rasmus seine guten Vorsätze vergessen hat…

 

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