Abwrackprämie

„Aha. Seid Ihr sicher?!?“ Der Kommentar meines Schwiegervaters zum Kauf eines größeren, will heißen: Familienbootes gerät nordisch-ökonomisch und wohlwollend-ironisch. Ja, klar, wir sind sicher. Ungefähr so sicher wie unsere Rente, die da wohlmöglich und ungefähr im Jahr 2040 eintritt.

Das erste Mal an Bord - jeder und alles muß erst einmal seinen Platz finden...

Das erste Mal an Bord – jeder und alles muß erst einmal seinen Platz finden…

 

Während Schwiegerpapa im Keller verschwindet, um dort die Zinserträge seiner Beamten-Pension umzuschaufeln, haben wir also den größeren Anteil unserer Rücklagen in GfK angelegt. Da schwimmt nun sozusagen unserer Rente in Form einer 100%-Schiffsbeteiligung.

Marc und ich schauen einander an und fragen uns wiederholt, warum wir das tun oder besser: uns das antun. Meine persönliche Meinung dazu: eben wegen der Rente. Was weiß ich, wieviele Euronen am Ende bleiben. An der letzten Öljacke fehlen bekanntlich die Taschen. Also lieber jetzt.

Und da ist dann ja noch die biologische Altersvorsorge. Wir haben uns doppelt abgesichert. Einmal mit aktuell 9-jähriger, einmal mit 6-jähriger Laufzeit. Diese verlängert sich automatisch um ein Jahr. Eine Kündigung ist nicht vorgesehen, denn naturgemäß fällt das bei den eigenen Kindern eher schwer. (Auch wenn man es im Geiste täglich gerne mehrmals täte). Somit haben wir wohl zwei lebenslängliche Knebelverträge an der Backe, in die wir sinnvoll einzahlen müssen.

Da bietet es sich an, den Kids die Anlageform schmackhaft zu machen, die einen selber begeistert. Noch sind sie jung und formbar.

Und so stehen wir nun zu viert in Gelting Mole an der Kranbahn und warten gespannt darauf, das unsere Friendship 28 in ihr Element kommt. Die Fahrt hierher war gar nicht so übel. Die „Hunger“ – „Durst“ – „Ich muß mal“ sowie „Hauen und Stechen“ Phasen unserer Kinder hielten sich in einem altersgerechten Rahmen, das Nervenkostüm der Erzeuger hielt sich wacker. Also alles im Lot auf dem Boot.

Dank des so tiefenentspannten wir gut gelaunten Hafenmeisters gelingen auch die Wasserung und das Maststellen erstaunlich reibungslos. „Schöner als befürchtet“, um es mit einem geflügelten Wort der Familie zu sagen. Das Boot schwimmt, die gefürchteten Leckagen an den zahlreich vorhandenen Seeventilen bleiben aus, der Motor springt nach ersten Überredungsversuchen endlich an.

Juhu, also ab jetzt: Heiter! Harmonisch! Halt Familiensege(l)n!

Da haben wir uns allerdings zu früh gefreut und die Rechnung ohne unsere Renten-Rüpel gemacht. Sagte ich etwas von formbar? Wiederholte Ermahnungen verhallen ungehört im kalten Norwestwind!

Steine auf GfK werfen? Den Lehmhaufen vom Beet ins Boot verholen? Eher nicht so toll.

Affenschaukel an den Handläufen in der Salondecke? Auf den Salontisch klettern? Vielleicht alterstypisch, aber nicht wirklich gut.

Eine Rolle Flechtleine in handliche 20cm Abschnitte zerschneiden. Fördert das Rechenverständnis der Kleinen und das Unverständnis der Großen erheblich.

Tobsuchtsanfälle betreffend der Platzwahl im Salon, in den sanitären Anlagen sowie im Cockpit. Anschließende, öffentliche Schwimmwestenverweigerung.

Unser geneigter Stegnachbar kommentiert die Vorgänge mit: „Wir haben immer mit dem Kinderbergwerk gedroht!“. Angesichts der wassernahen Lage einigen er und ich uns auf Unterwasserkäfige als probates Mittel. Wunderbar. Politisch inkorrekt. Ich liebe es. Die Kinder zerfleischen sich derweil unter Deck, soweit ich es hören kann. In der sommerlichen Südsee brauchen wir also gar nicht unhöflich die Gummi-Fender „vergessen“. Wir setzen einfach unsere Akustik-Fender ein. Da wird jeder Längsseits-Aspirant noch ein Ehrenrunde drehen. Oder es lockt hoffentlich andere Familiencrews an. Das wäre sehr wünschenswert!

Hat eigentlich jemand den Kindern eine Abwrackprämie in Aussicht gestellt? Immerhin: vor den Seeventilen haben sie gehörigen Respekt. Das hat wohl von uns abgefärbt.

Endlich sorgen die falsche Führung von Dirk und Großfall für etwas Erheiterung. Mutti hängt im Bootsmannsstuhl. In schwindelnder Höhe. Ganze zwei Meter über Deck. Grazil wie eine Elfe. Winsch, Ehemann und Fall ächzen bedenklich. Als sich unsere Tochter sich für das Manöver anbietet, ist sie uns dann doch zu schade dafür. Es ist ein etwas ungewisses Unterfangen in 10m Höhe. Also folgt decksnahe Kinder- und Hafenbelustigung mit einer 8-Meter-Lanze, zusammengeklebt aus zwei Bootshaken und einem Kescher.

Trotz weiterer kindlicher Aus- und Zwischenfällen und dank unseres AWN Heizlüfters erleben wir vollzählig den folgenden Morgen. Und siehe da: Rasmus taut im Laufe des Morgens die frostigen Gemüter und den vereisten Steg auf. Er verscheucht den Nebel und knipst 3Bft Segelwind und Sonne für unsere Überfahrt nach Sønderborg an. Dann schickt er noch ein paar Schweinswale direkt am Heck vorbei. Und spendiert uns das erste, köstliche, langersehnte, schokoladenbestreuselte Softeis der Saison.

Also doch noch Familiensege(l)n. Die Erfolgsquote? Dieses Mal vielleicht so 50%. Klingt wenig? Ich bin mir sicher, daß das Abenteuer trotzdem eine Top-Rendite für uns alle abwerfen wird. Als gut investierte GfK-Anleihe für jedes Alter.

Ach ja: Längsseitslieger besonders mit, aber durchaus auch ohne Akustik-Fender sind uns übrigens sehr willkommen!

 

 

5+

1 comment

  1. Moin Svenja,
    herzlichen Glückwunsch zur Neuerwerbung – und immer eine Handbreit Wasser unterm
    Kiel!!!
    Unsere „Svea“ ist auch eine Friendship 28.
    LG. Karin

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