Wer bist Du?

KrieieieieRieieieieKRACKS!

Keine fünf Meter entfernt zerlegt jemand alte Möbel mit einer Tischkreissäge. Oder besser: einer Tischkreischsäge.

Das ist schade, denn ich stehe sinnend vor dem Bug unserer Friendship 28 und hatte mir einen stillen Moment für die Namensfindung vorgestellt.

Denn das Boot braucht einen Namen.
Es hat natürlich einen. Genau genommen sogar zwei.

Wer bin ich - und wenn ja, wie viele. Es gibt ja unzählige Möglichkeiten für einen Bootsnamen.

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele. Es gibt ja unzählige Möglichkeiten für einen Bootsnamen.

Den wohl älteren davon teilen uns abblätternde silberne Lettern auf blauem Grund mit: MY OLD SPECIAL BOAT. Was auch immer der Vorvorbesitzer sich dabei gedacht hat – ihm wird der Name schließlich etwas bedeutet haben. Nee, muß weg.

Der zweite Name ginge schon eher. Ich lasse ihn mal ungenannt. Die Vorbesitzer haben ganz offenkundig sehr schöne Zeiten unter ihm erlebt. Die IV (nein nicht Hartz IV…) dahinter legt nahe, daß sie vielleicht auch ihr neues Boot so taufen werden?  Also gehört der Name quasi zur Familie und soll auch da bleiben. Auch er wird uns nicht wirklich gerecht.

Ich stehe also da. Wir schauen einander still an, ich und die Friendship. Es hat angefangen, in leisen Flocken zu schneien. Nebenan kreischt die Kreissäge. Wer bist Du? Männlein? Weiblein? Grundlegende Fragen, die es zu klären gilt.

Da die Säge in den Ohren und die Kälte in den Fingern brennt, klettere ich an Bord, um mich dort dem Boot weiter zu nähern. Irgendwie noch recht fremd, das „ES“. Größer, mehr Technik als klein HOBO. Ich sitze eine Weile und schaue mich nur um. Frauengedanken: Das Bild im Salon ist angeklebt und muß weg. Nicht mein Geschmack. Zur Not übermalen. Erste Demontageversuche legen nahe, daß das Boot Leck schlagen und sinken wird, wenn ich weiter dran reiße…die Spitzengardinen habe ich schon verbannt…

Langsam formt sich ein Bild, wie es einmal aussehen wird. Das sagt nichts über die Segeleigenschaften, aber zumindest darüber, wie das Boot ein Zuhause für mein Herz und meine Familie wird. Eine Form der Annäherung.

Zurück zu den weltlichen Fragen der technischen To-Dos – viele davon sind aktuell Böhmische Dörfer für uns. Durch einen Kabeldurchlass am Heck sammelt sich mit der Zeit Regenwasser in der achterlichen Backskiste – Abdichten des Loches, ein Punkt für die Liste. Die Opferanode an der Welle wechseln ebenfalls. Der Motor ist winterfest – was gibt es zu tun, damit zur Saison alles läuft? Ich krieche eine Stunde durchs Boot, schaue mit der Betriebsanleitung in der Hand nach Seeventilen und Motorblock. Habe jetzt zwar immerhin ein Bild wo was ist, bin aber natürlich trotzdem noch keine Yanmar-Flüsterin. Hmm, also wieder learning by doing.

Immerhin habe ich das Gefühl, daß wir – ER, SIE, ES – beide schweigend etwas wärmer miteinander werden. So ist das mit dem Kennenlernen. Boote finden einen? Dann hat vor zwei Jahren klein HOBO mich gefunden. Er war auch von Anfang gesprächiger. Da war schließlich ein Jahr lang niemanden zum Reden in der Scheune in Geltorf. Die Friendship hat sich da wohl eher Marc erwählt. Sie ist irgendwie schweigsamer. Nicht unsympathisch, aber pragmatischer. Klarer Hinweis, daß es die ideale Kombi für meinen Liebsten ist. Ein Fall von Männerfreundschaft.

Männer sitzen ja gerne zusammen, schweigen, und wenn Frau dann fragt „und, was habt ihr geschnackt?“ lautet die Antwort mit Sicherheit: „Och, nichts weiter…!“

Also: immerhin glaube ich jetzt zu wissen, daß ES ein ER ist. Das war das Boot dem Namen nach zuvor auch. Damit bedarf es zumindest keiner Geschlechtsumwandlung.

Zurück zu Hause. Brainstorming.

Wie findet man einen Namen? Wir verdrehen Vornamen. Assoziationen. Klamauk. Kurz und MRCC Bremen-tauglich sollte der Name außerdem sein…

SOS (SVENJA’S OLD SHIP) scheidet also aus…

Da wären noch DIMBULA nach dem gleichnamigen Dampfschiff aus der Erzählung „The ship that found herself“ von Rudyard Kipling. Ein kleines Motorboot meines Vaters hieß so. Dann, als weitere Anleihe: A63 – TENDER MEIN. Vaddern fuhr auf dem Versorger Tender Main zur See. So könnte unser Beiboot heißen. Oder doch gleich LÜTJENS als standesgemäßer Name für unseren Versorger – mal sehen, welche Zerstörungen wir anrichten werden. HET NOCH KEEN würde die Namensfindung enorm erleichtern. GELDWASCHANLAGE trifft auf jeden Fall zu. DER WINDE WAHNSINN ebenfalls. SALZLÖSUNG auch. Womit wir zu den Vornamen kommen JASMATI klingt nach einer Reissorte. JAMATIS nach einem Automodell von Toyota. VENSKAB, AMIKECO oder WAKAHOANGA. Das war Dänisch, Esperanto und Maori für „friendship“, wobei letzteres klingt, als hätten wir den Klappstuhl ausgegraben, dort wo die Schoschonen schön wohnen.

Taugt alles nichts.

Lustige Anregungen bieten auch die beiden Seiten 10000boatnames.com und coolboatnames.com.

Die Frage nach dem „Wer bist Du?“ ist also noch nicht abschließend geklärt.

Vermutlich wird es so sein, wie es sich für eine echte Männerfreundschaft gehört. Kurz, knapp, präzise. Ohne großes Bohei. Vielleicht einfach wieder HOBO…?!?

 

 

 

 

 

 

 

 

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