Darf es ein bisschen Meer sein?

Samstag, 02.01.16

Die Sylvesternacht steckt noch in den mittelalten Knochen. Unsere Kinder haben gemeinsam mit dem Nachwuchs von Freunden, Freundesfreunden und Freundesfreundesfreunden zu den Klängen der 257er „Wir sind Piraten“ (DIE Hymmne für das Segeljahr 2016?) beschwingt das neue Jahr begrüßt. Zusammen zählten die Nachwuchspiraten zarte 54 Jahre. Das ist zwar mehr als die anwesenden Ernährer einzeln auf die Uhr brachten, aber sie waren irgendwie ausdauernder als wir einzeln. Früher, ohne Kids, war mehr Lametta. Das Außmaß der einsetzenden Demenz offenbart sich, als wir großen über die „Meiern“ Regeln nachdenken. Die waren doch an sich nachdenkfrei, oder? Ach, egal. Wir betrinken uns einfach so. He, es ist 23:00 Uhr. Hat da etwa einer gegähnt?

Ja, also wir akzeptierten das temporäre Leistungstief (sind ja nur ein paar Jahre) und haben trotzdem unseren Spaß. Das Lametta kommt bald wieder, denn die Senioren sind ja heute Best-, Silver- und Goldenagers. Das lässt hoffen.

Marina Wendtorf - so marode wie Eltern nach einer Sylvesternacht mit Kindern :-)

Marina Wendtorf – so marode wie Eltern nach einer Sylvesternacht mit Kindern 🙂

Sohnemann entschläft um ca. 23:45 Uhr und verträumt trotz vehementer Aufmunterungsversuche die Stunde Null. Zur Entschädigung hält er den wehrlosen Eltern gegen 05:30 Uhr einen wissenschaftlichen Vortrag über die sofortige Notwendigkeit eines Zweitfeuerwerks unter Einbeziehung aller nun (nicht mehr) Schlafenden. Sie sind so süß, die Kleinen! WENN sie schlafen…ach ja, schlafen!

Das kann man prima woanders, weit weg von den biologischen Mini-Weckern. Um den Bio-Rythmus der Brut auszutricksen, seilen wir uns immer mal einzeln ab. Ohhh, ich darf! Nicht Südsee, 6 Wochen, aber Förde eine Nacht.

Sohn wird nämlich Omi in Rendsburg für einige Nächte um die Bestager-Nachtruhe bringen und so verhole ich Junior an den NOK und anschließend mich in eine Pension nach Laboe. Die hat nicht viel, an sich hat die gar nichts, aber ein Bett ist da. Und Meer vor der Haustür. Was willste da mehr?
Netto 4 wunderbare Stunden lasse ich mir vom „starkem bis stürmischen Wind“ eine Mützenfrisur stylen. Laboe – Marina Wendtorf – Laboe im schwindenden Licht des Nachmittags. Perfektes Durchpustewetter. Marina W. glänzt in voller verblichener Kraft. Wie soll da bitte bis Ende März ein Hafen aus Olympia-Ruinen auferstehen?!? Ein Rätsel! Die müssen sparen. Ganz offensichtlich. Deshalb haben sie alle Dalben auf halbe Länge gekürzt. Oder liegt die Kürze etwa am nachhaltigen Ostwind…?

Übrigens bin ich ans Meer gefahren, ohne vorher nach Windfinder geguckt zu haben. Das geht doch nicht! Naja, es ist also also Ostwind, wie ich vor Ort festgestellt habe.

Den Wind habe ich retour im Rücken – der Wind macht mir Beine und Hunger. Das Meson am Ortsausgang von Laboe hat nur die Katzenecke frei, also weiter. Nach Kroketten-Charme in den darauf folgenden Restaurants ist mir nicht. Also noch mal in die Pension und eine Lage Klamotten abwerfen. Dann wieder los, ein Abendessen jagen. Noch zwei weitere Katzentische. Nö, wenn schon alleine essen, dann nett!

Ich werde fündig in der Buena Vista Beach Bar. Unter dem Heizpilz ist es gerade so nicht friero grande, mit zwei roten Fleecedecken ist es sogar mui Temperanillo. Nach einem lustigen Geplänkel mit zwei anderen Pärchen habe ich den optimal temperierten Platz gefunden („Diesen hier können wir WÄRMSTENS empfehlen!“). Bald dampfen also die Tapas mit meinem Atem um die Wette, im Glas gefrieren ein stilles Wasser und ein Rotwein. Wunderbar. So ist also Spanien im Winter. Und dann das breite „MOHOIN“ der Bedienung – fast wie im norddeutschen Sommer an Bord. Der ist auch nicht unbedingt wärmer und klingt genauso. Gut, die Tapas sind da eher dänische Hotdogs. Aber das ist schließlich auch internationale Küche.

Und dazu dann noch Meerblick. Beziehungsweise Blick auf Lichter vor schwarzem Grund in weiß und bunt. Weiß über rot verlässt flott den Hafen von Laboe. Kurz bevor die Neige meines Rotweins zu Eis erstarrt, marschiert das Schiff ebenso flott wieder rein. Fischers Fritze hatte es aber eilig und dann etwas vergessen? Später fällt mir ein, daß es nicht Fischer Fritze sondern Lotse Leo war. Dann passt es ja.

Die Ü-50 Kundschaft lässt nicht lange auf sich warten und ich verfolge, wie aus der Backbord Seitenlaterne ein Hecklicht wird. Dann zähle ich die rote Lateraltonne in ca. 220 Grad aus. Unterbrochen (2), Wiederkehr 8 Sekunden? (Die NV-App sagt mir später 9 Sekunden). Jedenfalls ist alleine Essen so gar nicht langweilig. Und mir die Salzwasser-Sehnsucht doch noch nicht ganz abhanden gekommen. Auch das lässt hoffen.

Und morgen schlafe ich aus und klettere dann aufs Ehrenmal. Und übermorgen (also Anfang April) besteigen wir unserem neues Boot und gehen segeln. Uns sobald wir verstanden haben, wie das so alles geht mit dem neuen Boot, gehen wir mal Nachtsegeln. Darf es ein bisschen Meer sein?
Pläne für überüber usw. morgen werden/könnten sein: einhand (das unbedingt). Und dann irgendwann Silverruddersegeln (vielleicht). Da müssen wir dann ausknobeln, wer zuerst darf. Nachtsegeln wäre toll. Hafenmanöver üben macht auch Sinn.

Gute Vorsätze, die sich mal lohnen! Es darf immer ein bisschen Meer sein!

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3 comments

    1. Hallo,
      nein, bis jetzt hatte ich dazu noch nichts geschrieben…Der kleine Hobo steht ja nicht ohne Grund im Gewächshaus. Längenwachstum von 22 Fuß auf 28 Fuß war erfolgreich, aus Dehlya 22 wird Friendship 28, aber HOBO bleibt…(und der kleine Dampfer bleibt sowieso im Herzen bei uns)…

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