Kunst ist…

Freitag, 21.08.15

Marc hat gestern noch den Skulpturenpark besichtigt und von der schönen Parkanlage geschwärmt. Bezüglich der ausgestellten Objekte meinte er allerdings, daß ich mir „das einfach selber angucken muß“. Aha. So sei es. Bevor wir also den Kurs gen Sonderburg setzen, geht es nochmal auf Landgang, einmal um den Hafen herum in den nahegelegenen Park.

Der gefällt mir landschaftlich ausgesprochen gut. Gepflegt, schöne Blickachsen, H.C. Andersen war auch schon da und hätte es auf FB geliked. Im hinteren Bereich des Parks dann die Kunst.

Kunst ist...realistisch?

Kunst ist…realistisch?

Guuut. Kunst ist…schwierig? Auf jeden Fall subjektiv.

Der Einstieg ist ganz lustig, blau angemalte Birkenstämme („Liebe Eltern, dies ist kein Kinderspielplatz!“) in Blickachse zum dahinter liegenden Museum.

Dann gibt es eine Reihe ganz ulkiger Exponate. Die „Schmitterlings“ zum Beispiel. Skulpturen kleiner nackter Männer mit unglaublich fettem Gesäß, Füßchen und Genitalien klitzeklein; ebenso die Gesichter. Arme und Hände sind zu angedeuteten Flügelstummeln ausgestreckt. Die Figuren wirken gaga, strahlen aber einen gewissen Frohsinn aus.

Ferner gibt es die Sorte „Was-soll-mir-dieses-Werk-sagen“ Kunst. Ein Ufo aus verrosteten Metall mit einer abgebissenen Ecke. Ein Briefkuvert aus Edelstahl.

Und schließlich die Sorte gewaltinspirierte Kunst. Ein Paar, Mann und Frau, resigniert wirkend, unbekleidet, mit hängenden Schultern und Boxhandschuhen an den Händen. Eine überlebensgroße Plastik – ein schreiender, nackter Mann mit MG und Magazin, den Arm ausgestreckt. „Killerzone“. Sind dies Kunst gewordene Traumata segelnder Männer? Ausgelöst oder inspiriert durch den Segeltörn mit Frau und/oder Familie?!? Was war eigentlich zuerst da? Museum oder die angrenzende Psychiatrie?

Ich bekenne mich hiermit zum Kunst-Banausen. Soviel dazu, dann lieber die Wasserkunst suchen.

Heißt: kunstvoll ablegen, kunstvoll gleich jenseits der Gasse Segel setzten und würdevoll entlang der zunächst engen Fahrrinne durch das tiefblaue Wasser des Fjords gleiten. Der Wind weht wie gestern nur leicht, immer noch aus Südost. Die gestern aufgekreuzte Strecke ist demnach heute ein gemütlicher Vorwindkurs.

Ich habe eine stille Wette mit mir selber abgeschlossen. Bald schon erklingen die Worte „Mir ist langweilig!“ aus dem Mund meines geliebten Mannes. Wette gewonnen! Aber man soll es nicht glauben, wir sind ja beide lernfähig. Ich nicke ihm freundlich zu, er erkundigt sich höflich, ob es mir recht wäre, wenn er es sich unter Deck gemütlich machte, um zu lesen. Beide sind wir zufrieden. Hobo gleitet mit mir sachte dem nördlichen Ausgang des Alsensunds entgegen, während Marc in der Koje liegend die letzten Seiten seines Buches in Angriff nimmt.

Schließlich umrunden wir Arnkilshuk. Der Abbieger nach Süden bedeutet Kreuz oder Motor. Kreuz. Das ist Kunst! Prompt wird die bessere Hälfte munter und will Ruder gehen. Neee! So haben wir nicht gewettet. Der Wind frischt auf, Hobo schiebt Lage dem Ostufer entgegen, wo logischerweise die Abdeckung und Windlöcher warten. Zu weit. Hobo verreckt. Nach ein paar Schlägen läuft es, am Westufer kommen wir mit dem Lot im Augenwinkel immer schön nah unter Land, gegenüber bis an die Windkante. So geht das. Fast alle anderen ziehen in der Fahrwassermitte unter Motor ihre Bahn gen Süden. So passieren wir auch ein Boot aus unserem Hafen. Einen Schlag vor seinem Bug, einen Schlag hinter ihm. Winken. Aber auch wieder viele Boote aus Süden kommend unter Motor. Ihr könntet die Strecke heute so göttlich Segeln!! Segel, das sind diese weißen Laken da am Mast, die kann man da mit dieser Schnur hochzieht!!!

Wir haben Spaß. 50:50. Nach der Hälfte des Sundes übernimmt Marc dann. Unter und hinter der Autobahnbrücke wird es dann noch etwas sportlicher – hier wartet in der Biegung wie fast jedes Mal eine Düse und es setzt Strom. Wir mogeln uns am Westpfeiler der Brücke entlang und um die Kurve, gerade öffnet die Brücke, so daß wir nahtlos in den Stadthafen rutschen können.

Unser Plan sah hier einen Stopp bis kurz vor Sonnenuntergang und anschließenden unseren allerersten Törn in die einsetzende Dunkelheit vor. Wir wollten die Saison mit einem Nachtschlag bei gemäßigten Bedingungen in einem vertrauten Revier beschließen. Doch im Stadthafen tobt der Bär, entlang des Wassers erstreckt sich eine Fressmeile, die Boote liegen im Päckchen. Uns ist beiden nicht nach Trubel. Also fahren wir direkt durch, bis zum Ausgang der Sonderburg Bucht noch relativ zügig, danach wieder vor dem Wind. Ich baume das Vorsegel aus. Lege mich aufs Vordeck in die Sonne. 5 Minuten später weckt mich Marc. Schon da? Ein schöner, lauer Abend in Bockholmwik. Der Wind schläft ein.

Es wäre ein dröger Motor-Nachttörn geworden. Also gut entschieden.

Das waren jetzt also meine drei Monate. Zufrieden. Sattgesegelt. Nur ein kleines bisschen wehmütig. Stolz. Staunend.

Glücklich.