From Dawn till Dusk

Wir haben das letzte mal in 2015 auf Hobo geschlafen. Das letzte Mal in Bockholmwik, wo unsere Segelkarriere vor zwei Sommern begann. Das letzte Mal auf Platz Südsteg-Nordseite Nr. 17. SN 17 stand im Vertrag, und ich hatte mich gefreut, dass hier die Plätze mit den Initialen der Mieter geführt werden. Im kommenden Sommer geht es für uns nach Sonderburg. Dort sind die Kinder begeistert von Spielplatz, Krabbensteg und Strand. Und wo die Kinder glücklich sind, sind es auch die Eltern. So die Hoffnung der Letztgenannten.

Red Skies in the Morning - macht die Bildbearbeitung...

Red Skies in the Morning – macht die Bildbearbeitung…

Am kommenden Morgen unterhalten wir uns also auch das letzte Mal über  die Gasse hinweg mit meinem Bruder, der seinen Alten Schweden schräg gegenüber liegen hat. Ich gehe dann doch rüber, das vereinfacht die Kommunikation, und werde von Niels, dem Hafenmeister unterbrochen. „Ihr geht weg, wie schade, ich habe schon gehört!!!“ Er kommt rum und drückt mich. Mir wird ganz warm ums Herz, denn im Prinzip haben wir uns vor meinem Törn zwar immer nett kurz unterhalten, aber ins Quatschen sind wir erst danach gekommen. Ich tröste ihn damit, dass wir ja seiner dänischen Heimat entgegenstreben und mit Sven immer noch einen Anlaufpunkt hier haben. Man sieht sich immer zweimal. Marc beschwert sich: „Mich drückt wieder keiner!“ Doch ich. Naja, doch Frauen Bonus.

Der Platz ist schnell geräumt – Fender weg und los. Niels winkt, Sven winkt, Holger winkt, alle winken.

Draußen erwartet uns Ostwind mit 4 Bft im Mittel, 6 in Böen und einer ausgewachsenen alten Welle der nassen, grauen, windigen Vorwoche. Der heutige Morgen war nach sternenklarer Nacht Kitsch pur. Roter Himmel – Red skies in the morning, sailors warning??  Es sind mehr die Wellen, die uns zu schaffen machen. Um sie auszusteuern, entscheidet sich Marc für einen Amwind-Kurs, der uns zunächst auf halbe Strecke zwischen Tonne 3 und 5 führt. Ein raumer Kurs beschert uns lauter Breitseiten, was sich mit unserem Untersatz dann doch nicht so doll anfühlt. Plus einfallende Böen. Der Plan geht jedenfalls auf, wir liegen jenseits der Steuerbord-Fahrwassertonnen an auf die Tonne 6 Schwiegermutter an und sind wellentechnisch in der Innenförde sofort in ruhigerem Fahrwasser. Windmäßig fallen auf dem nun raumen Kurs einige heftige Böen ein, die Marc mich nach Wachwechsel bittet, durch Abfallen auszusteuern. Ein mahnender Blick, als ich es trotzdem drauf ankommen lasse. Hobo krängt ordentlich. Ok, ja, er hat recht. In der Bucht vor Schausende nehmen wir das Großsegel weg, nun geht es auch so hinreichend flott dem Kran entgegen.

Vor dem Glücksburger Hafen herrscht reger Bundesliga-Betrieb. In RIBs werden die Segler zum und vom Regattafeld geshuttelt, entsprechend das RIB-Aufkommen in der Hafenzufahrt. Wir verziehen uns zu den Folkebooten im hinteren Hafenbereich, mein letzter Anleger, fertig und fest.

Nun aber hurtig. Keine zwei Stunden bis zum Kran und noch Mastlegen und Pipapo. Aber Scott von http://customcarbon.de/ hat australisch entspannt wie im Frühjahr schon die Ruhe weg und glücklicherweise nach uns keinen Termin, also können wir in Ruhe machen und tun.

Also machen wir langsam. Der Mast macht dafür auf dem letzten Meter schnell, weil mein Anschlagpunkt für die Talje plötzlich aufgibt. Sch..! Aber alles heil geblieben. Und dann ist Hobo auf dem Hänger. Wir sind kaum trockengelegt, als Petra und Steffen neben dem Boot erscheinen. Die beiden haben auch eine rasante Karriere vorgelegt. Von Hobo-Eignern (22 Fuß) zu Smilla-Eignern (27,5 Fuß), um nun bei 32 Fuß „seßhaft“ zu werden. Während wir uns heute nur von der Saison 2015 verabschieden, haben die beiden gerade mit etwas Wehmut in Flensburg die letzten persönlichen Dinge von Smilla abgeholt und sich von ihrem zweiten Boot verabschiedet. Die neue Saison wir im neuen Boot starten. Wir unken, daß es für unsere 4 Köpfe ein Boot bräuchte, das außen 22 Fuß und innen 32 Fuß misst. Wir wissen noch nicht so recht, wie es weiter geht. Eine Saison bleibt uns noch, bevor wir die Kinder wachstumsbedingt auslagern müssen.

Da bei uns die Zeit für einen gemeinsamen Kaffee knapp wird, versüßen uns die beiden das Auskranen mit Gesellschaft, Handreichungen und Schnack nebenbei, währen wir Hobo auf dem Hänger verzurren und Dinge ins Auto umladen.

Schließlich geht es gen Hamburg. Das Radlager hält, Hobo rollt auf dem Trockenen.

Am Kreuz Bordesholm wünscht Marc sich „was launiges“ aus unserer CD-Mappe.

Ich blättere. „Überraschungs-CD gefällig?“ Die unbeschriftete. „Ja, mach mal rein“. Volltreffer! MP3 Fetenhits. Lauter Perlen der nicht-ernsthaften Unterhaltungsmusik.

Bordesholm – DJ BoBo

Neumünster-Gadeland: Hermes House Band (Bei Boostedt: Country Roads. Vor uns die einsame B205 und die rote Abenddämmerung, hinter uns wie an einer Perlenkette die Lichter der nachfolgenden Autos. Endlich einmal selber der Stau sein!)

Rickling – Janis Joplin – Mercedes

Bad Segeberg Süd (die rote Sonner versinkt gerade hinter den Bäumen) – The Sandals mit Theme from The Endless Summer

Kreuz Bargteheide – Cafe del Mar Vol.1 zum cooldown

Also kommen wir total gechilled gegen 19:30 in Wentorf an. Ein letzter Tag Hobo. From Dawn till Dusk. Was wohl die nächste Saison bringt. Ab sofort geht der Reigen von vorne los. Hanseboot. Prospektträume. Planungen für neue Saisonziele. Alles auf Anfang…

…Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!