Lykkevej – der Weg zum Glück?

Freitag, 14.08.15

Der morgendliche Blick aus dem Niedergang bestätigt, das dies heute ein Hafentag wird. Schon jetzt hat der Wind zugelegt. Geschätzt nach dem Blick auf die Bucht sind es 5-6 Bft mit harten Böen aus Nordost, also steht heute Landgang auf dem Programm.

Unsere Windanzeige können wir nicht befragen…

Gewitterstimmung in Faldsled...

Gewitterstimmung in Faldsled…

da haben unlängst kleine Kinderhände alles auf Werkseinstellung zurückgesetzt und die Funkverbindung nach oben gekappt. Wahrscheinlich muß man dafür auf dem Kopf stehend eine wirre Morsekombination auf den Knöpfen des Nexus drücken und dabei eine Teufelsmesse lesen. Aber besagte Minifinger haben es irgendwie hinbekommen.

Das sorgte für massiv schlechte Laune bei Marc. Die Verbindung wird nämlich erst durch Knopfdruck in 11 Meter Höhe wieder hergestellt. Und wenn man bei Kleinkreuzer mit Wasserballast am Mast hochkraxelt, macht das Bötchen vermutlich eine Eskimorolle mitsamt Ehemann.

Also bin ich meiner weiblichen Bestimmung nachgekommen, habe meine drei Brocken Dänisch ausgepackt und den Hafenmeister gefragt, ob und wann wir für 60 Kronen an den Mastenkran dürfen und ob er einen Bootsmannstuhl für uns auftreiben kann. Wir können am Samstag um 10:00 Uhr, gibt uns der Havnemester zu verstehen. Er sitzt entspannt in seinem Campingsessel vor dem Havnekontor, trägt seinen vermutlich einzigen und schönsten Blaumann und ist ansonsten kein Mann großer Worte.

Na, diese Nachricht ist doch ein ganz großer Schritt zum persönlichen Glück. Gestern haben wir im Übrigen bei einem Spaziergang den Kærlighedsti (Liebespfad) entdeckt, der nahe des Lykkevej (Glücksweg) an die Hauptstraße Faldsleds führt. Der Lykkevej ist eine Sackgasse, da kann man jetzt streiten, ob es gut oder schlecht ist, wenn Fortuna keine Wendemöglichkeit bietet. Aber der Weg endet am Meer, das kommt der persönlichen Definition vom Glück schon recht nahe. Allerdings muß der Spaziergänger auf der Straße ans Ziel der Ziele an einem fetten Schwarm Mücken vorbei, und es stehen zwei Häuser leer und zum Verkauf. Also alles wie im echten Leben.

Weniger romantisch ist die Hauptstraße nach Faaborg. Die nehmen wir nämlich auf zwei erstaunlich gut gepflegten und ebenfalls günstigen Hafendrahteseln unter die Räder, um Geld tanken und Einkauf im 10 km entfernten Ort mit etwas Bewegung zu verbinden. In Millinge biegen wir auf die Nebenstraße ab, um via Svanninge das letzte Stück Weges etwas entspannter als auf dem Randstreifen der Landstraße 329 zu radeln.

In Faaborg angekommen, muß Marc nun doch noch einmal von meinem Kielwasser kosten. Badebrücke, Glockenturm, Einkaufszone und die Marina. Auf meinem Liegeplatz von Mitte Juni liegt ein anderes Boot, gegenüber „Eimer“ aus dem betreffenden Blogeintrag. Eimers Herrchen ist nicht da, Marc ist darüber ganz froh…Dann der Segelladen an der Marina, die kleine Räucherrei um die Ecke und der Stadthafen mit Oles Olie. Hier habe ich das Benzin für meinen Seegras-Rasenmäher geholt und hier war ich auch im September 2013 mit der Qualle, die wegen Platzmangels an einen Stegkopf gehen mußte – wie berichtet unter maximalen Gezeter des Hallberg Rassy-Ehepaars in der letzten Box („Fender! FENDER!). Allles war gut. Immer. Aber ins Gästebuch haben wir den Eintrag „Die Mörderqualle von Faaborg“ gemalt – ein großer Kugelfender, der das HR Emblem zu zerquetschen droht.

Marc erträgt den Ausflug und meine Exkurse erneut mit Fassung. Es hat ein bischen was von dem Seemannsgarn, das mein Vater stets – gerne Weihnachten zu fortgeschrittener Stunde – zum Besten gab. Wir alle konnten die Geschichten auswendig mitsagen. In meiner Familie läuft derlei Berichtertstattung seither unter dem Stichwort: „…und dann kam die Steuerbord-Aussen nicht…!“

Wir erledigen unsere Besorgungen und besichtigen auf dem Rückweg noch die schöne Rundkirche in Horne, die hübsch geschmückt auf einen Gottesdienst wartet, während die Organistin einige Passagen eines Chorals übt. Die Kirche liegt auf einer Anhöhe und ist so in der Ansteuerung von See gut zu sehen. Von hier oben reicht der Blick weit über die Hügel von Horneland bis jenseits Faldsleds.

Dort braut sich am Horizont ein Gewitter zusammen, also zurück zum  Hafen. Der Wind hat auf 7-8 Windstärken aufgefrischt, zwei Boote, die in der Bucht vor dem Hafen auf Anker lagen, kommen rein und drehen ihre Runden, um möglichst elegant bei starkem Seitenwind in die Boxen zu gelangen. Das eine Boot, ein Langkieler, parkt rückwärts mit Leinenhilfe ein. Marc assitiert, im Gegenzug wird uns für morgen ein Bootsmannstuhl und Kranhilfe angeboten. Wunderbar. Nun folgt Blitz-TV aus dem Niedergang. Die Front zieht langsam hinter Illum an uns vorbei. Über eine Stunde lang gehen spektakuläre Blitze über der Bucht nieder, bevor sich das Wetter etwas beruhigt. Auch in der Nacht donnert es immer wieder, der Wind bringt den Hafen zum Singen. Also ein schöner Hafentag, aber eine unruhige Hafennacht.