Nachtreffen

Nach einer knappen, sehr schönen Woche auf dem Boot mit der ganzen Familie dürfen wir zum krönenden Abschluss meines Segelsommers noch einmal zu zweit los. Paar-Luxus!

Windfinder und DMI haben vorhergesagt, daß unser Segeltörn mit Schwachwind starten wird. Beziehungsweise der noch vorhandene Wind abnehmen soll. Mit Rauschefahrt schaffen wir das heute angepeilte Ziel Mommark in 6 Stunden. Mit dem angesagten Hauch wird das nichts…wir tun uns trotzdem die Ruhe an und starten erst gegen 10.00 Uhr. Entweder muß der Motor ran oder wir bekommen noch etwas Segelwind. Der erste Teil bis ungefähr Höhe Kegnæs Leuchtturm geht noch unter Segeln – Groß und Genua – aber der Nachmittag schreitet voran und der Wind schläft ein. Also schmeißen wir den Motor an und legen das verbleibende Stück des Weges mit 5 PS zurück. Mommark erscheint voll, aber HOBO wird schon in irgendeine Lücke passen. Marc steuert durch den Hafen, ich halte Ausschau nach einem Platz, als von hinten kommt:

In Mommark - mit Marc...

In Mommark – mit Marc…

„Ist das nicht „dein“ Jörg da vorne?!? Das Boot mit der Nummer? Ich schaue in die Runde. Eine Classe Mini mit der Nummer 803. Avanti. Das ist „mein“ Uwe, den ich beim Start meiner Reise auch hier in Mommark kennengelernt hatte. Er ist mit seiner Freundin eine Stunde zuvor aus Søby gekommen, wie er später berichtet. Die beiden parken als Aussenlieger im 3er Päckchen mit der Nase zum Steg. Wir passen gerade noch daneben. Er hat uns noch nicht gesehen, Marc dreht hinter Avanti und ich grüße „Moihoin!“. Uwe und Claudia drehen sich um – „Svenja!“. Da staunen wir alle vier. Wir gehen längsseits und haben später eine nette Runde von Reling zu Reling. Hafenmeister Carsten Kock bläst zum Zapfenstreich und alle stürzen an die Flaggenstöcke und Achterstagen, um die Nationale einzuholen. Lachen und Klatschen. Während seiner Runde hatte Carsten angesichts des proppevollen Steges zuvor kontstatiert: „Ach, da passen noch so fünf rein. Oder sechs…!“ Nebenbei treffen wir – ebenfalls ungeplant – eine Familie, deren Boot uns interessiert. Auch hier folgt neben Bootsbesichtigung ein netter Schnack. Und um das ganze Südseeglück zu krönen, schiebt sich im Laufe des Abends gegenüber das Charter-Folkeboot Mumi in eine Lücke. Kurz habe ich die Vision, daß jetzt Jörg (das wäre dann „mein“ Jörg) von Bord steigt uns sich mit frisch gebrühtem Kaffee dazugesellt. Seine und Mumis Bekanntschaft hatte ich in Ærøskøping gemacht. Wir haben gemeinsam reichlich frisch gebrühten leckeren Kaffee vernichtet und sind gemeinsam nach Drejö weitergesegelt. Aber natürlich ist Mumi mit anderer Besatzung unterwegs.

Marc erträgt all diese Fügungen still schmunzelnd. Denn das Programm unsererer Tour ist theoretisch so angelegt, daß er möglichst wenig von meinem Kielwasser schlucken muß. Hier in Mommark schluckt er es gleich eimerweise. Während des Frühstücks rechnen wir nach, wie es wohl hier in Mommark aussähe, wenn alle meine Begegnungen hier mitsamt dazugehörigen Booten erschienen. Ich komme auf elf Sportboote und drei Traditionsschiffe. Also wäre eine Schwimmstegseite nur für das „Nachtreffen“ belegt. Die Qualle strategisch in der Hafenzufahrt geparkt würden übrigens bei nördlichen Winden dafür sorgen, daß nicht so viel Schwell im Hafen steht. Die vergangenen wie auch meine erste Nacht in Mommark im Juni waren schaukelig. Uwe und Claudia wie auch wir erwachten geschüttelt und gerührt…

Wie gut, daß „nur“ Avanti und Mumi hier sind!
Die westliche Ostsee ist ein Dorf…!

wo bin ich, meine Reisekarte