Drejø

Tag 26, Mittwoch 01.07.15

Dieser Tag war von mir schon als Drejø-Hafentag gesetzt, Jörg zieht mit. Der Hafen liegt nach Südosten geschützt, bei der gestrigen Windrichtung also ruhiges Liegen garantiert. Über Nacht hat der Wind auf Südost gedreht, somit steht nun eine kleine Welle aus dieser Richtung in den Hafen, die durchläuft und an der Steinmole unter Land etwas reflektiert wird. Möglicherweise schüttelig für uns, aber dem gegenwärtig sehr flauen Wind auch an einem Dalben hängend kein Drama. Als Tagesporgramm bietet sich ein Spaziergang an, vormittags gehen wir gemeinsam den Kyssti um den Südzipfel der Insel herum. Landschaft, Wiesen und Heckenrosen. Es riecht nach Sommer und Meer. Endlich ist es schön warm, regentechnisch fand ich es zwar bislang nicht so schlimm, aber es war teilweise richtig kalt! 

Drejø - der Sommer ist zurück

Drejø – der Sommer ist zurück

So können wir in kurzen Klamotten und Badeschlappen die Insel erkunden. Die ist einerseits überschaubar, andererseits in ihrer Ausdehnung gut 5 km lang. Das bedeutet schon einen recht ausgedehnten Spaziergang.

Die Sehenswürdigkeiten beziehungsweise wichtigen Punkte der Insel sind überall liebevoll ausgeschildert. Wir passieren den Abzweiger zur Kirche und folgen weiter dem Küstenverlauf. So stoßen wir auf den Badestrand der Insel. Eine hübsche Badestelle mit Steg, eingerahmt von Grün mit zwei aus Baumstämmen gehauenen Bänken, Blick auf das Inselmeer. Wir legen einen Badestop ein, und jeder hängt für eine Weile abseits für sich seinen Gedanken nach. Gleissendes Licht auf dem Wasser, sanft schmeichelnder Wind im Gesicht, ein warmer Granitstein, auf dem ich sitze. Möge dieser Moment nie enden.

Alsbald lasse ich diesen Augenblick dennoch ziehen und laufe mit Jörg weiter, beschließe aber, den Nachmittag für mich zu verbringen. Jörg will dies ebenfalls tun, so drehen wir noch eine Runde durch das Dorf mit Kaufmann und dem schönen Cafe/Museum. Bis zum gemeinsamen Abendessen wird nun jeder seins tun.

Mich zieht die Badestelle magisch an. Heute vormittag hatten wir Sie fast für uns alleine, nun ist eine Urlaubsgruppe aus dem Jugendheim der Insel lebhaft im Wasser beschäftigt. Ich finde dennoch ein Eckchen abseits des Trubels, lege mich nach einem Bad in den Halbschatten und döse dort gut zwei Stunden irgendwo zwischen Wachsein und Schlaf, eingelullt vom Kinderlachen, Wind, Wellenplätschern und dem Schattenspiel der Sonne auf meinem Sonnenschutz. Ich habe das Logbuch dabei, das ich dringend mal nachtragen müsste, aber das bleibt in der Tasche…

Direkt an der Badestelle liegt eine kleine Wiese mit Shelters für Wanderer. Hier sind es Wasserwanderer, ich habe schon viele Leute mit Seekajak gesehen – die Unterstände sind einfache flache Holzhütten mit Klappe, die in klaren Nächten wohl aufbleiben kann und sicher den Blick auf den Sternenhimmel gewährt. Bei widrigem Wetter kann man sie schließen und den flachen Unterschlupf durch eine kleine Tür an der Seite besteigen. Für wenige Kronen pro Nacht finden zwei Leute Schutz, einfach zwar aber mit Toilette Feuerstelle und Sitzgelegenheiten in der Nähe. Diese Shelters stehen entlang des Øhavstis, dem Inselwanderweg entlang der Südseeküste, ich hatte schon welche in Ristinge gesehen. Hier auf Drejø lagert gerade eine kleine Gruppe mit Seekajaks.

Ein anderes Mittel des Fortkommens scheint außerdem das Flugzeug zu sein. Neben den Shelters erstreckt sich eine lange gemähte Wiese, auf der Gänse grasen. Am Strand liegend werde ich von Mortorengeräusch munter und frage mich, ob da ein Trecker den Pfad herunter gefahren kommt. Der Blick entlang der kleinen Uferdüne offenbart aber einen kleinen, propellerbetriebenen rot-weißen Ball, der sich schnell nähert und danan in die Luft schwingt. Ein kleines Sportflugzeug. Die Wiese ist die Insellandebahn. Auch eine Art zur Badestelle zu kommen…

Auf allen Inseln gibt es einen Landeplatz für den Rettungshubschrauber. Die Strynølaner hatten mir erklärt, daß sie mit einem Notdienstplan in die Rettungskette eingebunden sind, und außerdem ist allerorts ein ziemlich dichtes Netzwerk von Defibrilatoren zu sehen. Gerne beim Inselkaufmann oder an anderer zentraler Stelle. Das kann wie auf Birkholm der Eiskühlschrank in der Selbstbedienungs-Butik sein. Dort findet sich oft auch ein Notfallkoffer und Hinweis auf Ersthelfer. Auch an anderr Stelle erzählen mir Insulaner, daß sie mitunter schneller versorgt sind als die Landsleute, die mit dem Rettungswagen geholt werden.

Ich hoffe natürlich, daß sich in meinem Fall die lebenserhaltenden Maßnahmen weiterhin auf Segeln Schlafen, Essen und Sonnenbaden beschränken werden, wobei nun Essen die nächstliegende ist. Ich trolle mich zurück zum Boot und koche die versprochenen Nudeln, die wir wiederum in Mumis Cockpit verzehren, danach philosophieren wir mit offenem Ausgang über weitere Ziele: Ich möchte noch nach Avernakø, Jörg soll das Boot am Sonntag abgeben, möchte am Freitag bereits in die Schlei gehen, merkt aber mit Augenzwinkern an, er könne ja anrufen und verlängern. Ich schlage vor, seine Luvleine abzuschneiden, ihn einfach treiben zu lassen und mich davon zu machen – so haben wir unseren Spaß. Trotzdem haben wir gefühlt unser Sabbelpensum der letzen zwei Tage erfüllt und ziehen uns alsbald für etwas frühere Nachtruhe jeder auf sein Boot zurück.

wo bin ich, meine Reisekarte