Ærødynamisch

Tag 24, Montag 29.06.15

Ich bin so unentschlossen. Heute ist Segelwind. Ich habe noch ein massives Smaøer-Defizit. Die kleinen Inseln wollen noch besucht werden. Aber ich möchte auch noch ein paar schöne Bilder vom Ort machen. Und mir die bunten Hütten am Vesterstrand ansehen. Dafür fehlte mit Wiebke leider die Zeit. Und am Besten alles in Ruhe. Und überhaupt!  Ach was solls, Hafentag! Ich sollte diese Entscheidung nicht bereuen!

Das kleine Städchen ist wunderschön, ich schlendere ausgiebig durch die Gassen und den Hafen. Fotografiere Fachwerk und Stokckrosen im Dutzend in hochkant und Querformat. Kaufe Mitbringsel. In „Det Gamle Værft“ schaue ich kurz rein, dort soll ich von Joacim aus Svendborg einen Christian grüßen, sollte er da sein. Ich kann ihn nicht ausmachen und frage aber auch nicht weiter nach. Anschlìeßend verhole ich mich bei strahlender Sonne an den Vesterstrand. Die Häuschen sind bunt und gemütlich, der Strand ist flach, kinderfreundlich und wartet mit karibischen Farben auf. Heute ist ein Strandtag ganz ohne Ölzeug! Eingelullt vom Wellenplätschern liege ich im Sand und lasse Rasmus einen guten Mann sein. Eine Stunde? Zwei? Keine Ahnung. Das ist doch mal ærødynamisch.

Am Südsee-(Vester)strand

Am Südsee-(Vester)strand

Aber Rasmus, der alte Sack beansprucht wieder mal das letzte Wort für sich (das ist hart für mich, denn sonst ist das mein Job…). Er pustet mich vom Strand weg, also laufe ich noch ein Stückchen Richtung Halbinsel Urehoved. Das ist auch schön, der Nachmittag geht zur Neige und ich kehre sehr zufrieden zu Hobo zurück.

Ein Telefonat mit meinem zweitliebsten Skipper Bernie vom schönen Stagsegelschoner Qualle aus Wismar (www.schoner-qualle.com) bestätigt meine Vermutung, daß der angesagte Südostwind einen Abstecher von Kiel kommend in die Südsee verhindert – er muß bereits am 03.07. zurück in Wismar sein. Das ist zwar schade, entledigt mich aber auch der Frage, ob ich auf Ærø bleiben soll. Vielleicht klappt es ja in der kommende  Woche mit einem Treffen.

Währenddessen parkt zwischen der LM und dem traurigen Boot ein schönes einhandgesegeltes Folkeboot ein. Nur der Name ist etwas schräg. Mumi. Aber Hobo ist so gesehen auch nicht besser. Ich biete an, die Leinen zu nehmen, was der Skipper aber ausschlägt (alleine ist es schon schwer genug). Wir begrüßen einander kurz, dann macht jeder wieder seins.

Aber später siegt meine Neugierde. Ich will mir das Folkeboot gerne mal ansehen. So wird Jörg Wegbegleiter für die kommenden drei Tage. Das Boot ist von Maasholm aus gechartert, und diese Holzfolkes haben schon etwas, das ist nicht mit Hobo vergleichbar. Andererseits habe ich umgekehrt auch diverse Annehmlichkeiten, die ein Folkeboot nicht hat. Nichts gegen Hobo. Ich bin schwer verliebt in das kleine Boot. Gerade nach diesem Törn wird Hobo immer Maßstab bleiben. Wie die erste Liebe und das erste Auto. Und über all diese Vor-und Nachteile, unsere Törns und Erlebnisse setzen Jörg und ich uns am Abend bei einem Wein zusammen. Im Prinzip sind ja die Themen immer ähnlich: Woher und Wohin und Warum und Was und Wie, immer rund ums Segeln. Aber die Leute sind so vielfältig wie die Boote und die Arten zu segeln – und wie es so geht, wird auch dieser Abend wieder länger.

wo bin ich, meine Reisekarte