Schön faul auf Strynø

Tag 16-17, Sonntag 21.06.15 und Montag 22.06.15

Ich bleibe am Ende ganze drei Tag auf Strynø. Die „Einheimischen“ – und das sind Leue aus ganz Dänemark und Europa – bringen mir Gastfreundschaft entgegen und sind sehr offen. Die Insel ist eine der sogenannten „danske småøer“, einem Zusammenschluss der 27 dänischen Kleininseln vor Jütland, Fünen, Seeland und Lolland.

Strynø-Sundowner

Strynø-Sundowner

Die größte dieser Inseln ist Anholt mit 22 Quadratkilometern, die kleinste ist mein noch ausstehendes Etappenziel Birkholm mit nur einem Quadratkilometer. Soweit ich höre, kämpfen all diese Inseln, so idyllisch sie auch sind, mit dem Wegzug der Einwohner und bemühen sich in diesem Zusammenschluss u.a. in Kopenhagen um den Erhalt der Infrastruktur auf den Inseln. Die Gemeinde auf Strynø ist ziemlich umtriebig und hat die Renovierung der historischen Schule bewirken können und auch sonst Mittel für die Insel eingeworben. So zum Beispiel für das Smakke Center, das in einer kleinen Ausstellung die Geschichte dieser kleinen Segelboote zeigt, die bis ins 20. Jahrhundert als Transportmittel zwischen den Inseln dienten. Hier gibt es eine kleine Bootswerkstatt mit zwei FSJ-lerinnen und ein schönes angegliedertes Schullandheim. Ich werde umgehend den (auch für mich) wichtigsten Instanzen der Insel vorgestellt: dem Inselkaufmann, der auch das Smakkecenter bewirtschaftet und dem Hafenmeister. Da kann ja nichts mehr schiefgehen, die haben mich nun auf dem Zettel und erkundigen sich ungefragt nach meinen Bedürfnissen, zum Beispiel in Sachen Brötchenvorrat und sonstiger Versorgung. Und ich bekomme noch am Abend meiner Ankunft eine kleine Inselführung verpasst und erfahre, wie es meinen Stegnachbarn von Norddeutschland nach Strynø verschlagen hat, als wir abend bei einem Glas Wein auf Hobo sitzen. Auf der Gegenseite besteht natürlich Neugierde, warum eine Frau Mann und Kindern für 5 Wochen den Rücken kehrt und segeln geht. Dies verbunden mit Hochachtung für den Mann, der das Vertrauen aufbringt, seine Frau ziehen zu lassen. Da kann ich mich anschließen, lieber Marc 😘! Danke!
Am Folgetag bekomme ich die „große“ Inselführung und nach einem sonnigen, faulen Nachmittag, den ich alleine am Strand verbringe, eine Einladung zum Abendessen an Bord gegenüber. Ich bade endlich an – warm ist das Wasser noch immer nicht – und sehe, wie mein Gastgeber seinem kleinen Fischerkahn aus dem Hafen wriggt, um Netze auszulegen. Am kommenden Morgen sollen diese gegen pätestens fünf Uhr eingeholt werden, denn die Strandkrabben sind Frühaufsteher und fressen den Fang an. Das ist für mich ja wie Sendung mit der Maus – von Fischerei habe ich so gar keine Ahnung. Ich frage nach, ob ich der heiligen Handlung beiwohnen darf. Mein Gefühl, daß es eine solche ist, bestätigt sich, denn später höre ich, daß sonst bisher nur Kinder dabei waren. „Du warst der erste Erwachsene, aber Du hast gar nicht gestört!“ kommt mit Augenzwinkern. So sitze ich also Montag sehr früh unter einem grauem Himmel mit tiefhängenden Wolken bei Nieselregen und frischem Wind in dem kleinen, schwankenden Nachen und fungiere als Kielschwein (es wurde extra der Ballast ausgeladen), als Bojenfesthalter und Ankerrauswerfer. Am Ende gibt es Butt. Vierzehn Tiere, linksäugig, rechtsäugig und in unterschiedlichen Farbschattierungen. Die Krabben waren tatsächlich schon vor uns da und müssen dran glauben, da sie die Fische nicht freiwillig preisgeben. Um sieben Uhr morgens beenden wir unseren Arbeitstag. Ich hatte den Plan, nach Ristinge zu segeln und evtl. zur St. Hans Feier wieder zu kommen. Aber es ist immer noch grau, nieselt und windet. Kein Spaßsegeln. Also lege ich mich hin und schlafe nochmal bis kurz vor Mittag. Dann „Frühstück“ allein auf Hobo – drinnen, denn es regnet. Und ich nutze die ganze Bandbreite der Hobo-Kombüse. Gestern habe ich Blüten von einem der zahllosen Fliederbüsche gesammelt. Mit Zucker und Zitronen vom Inselkaufmann mache ich meinen eigenen Strynø-Holunderblütensirup. Was nicht alles so geht auf einem Kleinkreuzer. Ein bischen gaga, aber das ist die ganze Reise sowieso. Den Rest des Tages vertrödele ich an Bord, immer wieder regnet es und der Wind macht Kapriolen, doch mit fortrückender Stund klart es auf, so daß schließlich zwei der morgens gefangenen Buttjes als Lohn der „Mühe“ in meine Pfanne wandern und ich den Abend mit frischem Fisch aus inseleigener Bodenhaltung im Cockpit sitzend beschließen kann.

wo bin ich, meine Reisekarte