Mission accomplished!

Tag 20, Donnerstag 25.06.15

Es wird was mit Birkholm! Nach Fischer-Verhältnissen schlafe ich bis halb acht aus (meine Fischer begrüßen mich mit „god aften“), mache mich fertig, wasche noch meinen Sack voll Wäsche, um die dann auf Birkholm zu trocknen und werde recht herzlich von Fischern und der Baggertruppe verabschiedet. Letztere kündigt an, im September Arbeiten in Wackerballig auszuführn, verbunden mit der Aufforderung, vorbei zu schauen. Das wäre jedenfalls ein grandioses Schauspiel für Sohnemann.

Back to Birkholm - Hobe hat den Weg wiedergefunden

Back to Birkholm – Hobe hat den Weg wiedergefunden

An der Mole liegen noch Ponton und Arbeitsschiff vertäut und nehmen damit fast die ganze frisch gebaggerte Rinne ein. Ich drücke mich also an den Bordwänden entlang und nehme Kurs auf Strynø Kalv. Mit der Höhe passt es nicht ganz, also gelange ich nur mit einigen Kreuzschlägen in die ausgetonnte Fahrrinne, die Richtung Nordwesten an Birkholm vorbei führt. Heute habe ich den Ehrgeiz zu segeln, also kneife ich soviel Höhe, daß ich kaum noch Fahrt mache, abfallen, anluven, so schaffe ich es unter Segeln immerhin bis hinter Bredholm. Dort komme ich dem Flach sehr nahe und habe nur noch 50 cm Wasser unter dem Kiel. Mehr Höhe ist nicht, und Kreuzen auch nicht, weil auf der anderen Seite das Flach Flintegrund und Lille Engholm liegen, also geht der Rest unter Motor. Birkholm ist fast erreicht, im Näherkommen sieht der Hafen den Masten nach recht voll aus. Ich passiere und mache mich ein Stück weiter in der Fahrinne kreiselnd klar. In der Hafenzufahrt liegt ein großer Motorsegler, der Fender draußen hat. Ich will erst einmal Lage peilen, also hänge ich mich kurz dran. Passt, gegenüber ist noch ein Platz frei, zwar mit nur einem Heckdalben, geht aber. Mit einem kurzen Motorschub kann ich mich in die Parklücke sacken lassen und werde dort von meinen dänischen Nachbarliegern in Empfang genommen.

Birkholm ist so schnell durchquert wie es bezaubernd ist. Am Hafen: viele schöne Sitzgelegenheiten, Strand, eine Schaukel, Salzwasserklos in West-Ost-Ausrichtung (mit entsprechender Gefahren-Betonnung im Innern), Müllraum, ein Briefkasten. In 300m der Ort mit „Butik“ – Selbstbedienungskühlschrank – und der „Birkholm Bruse“ – ein Duschhäuschen mit eine Dusche, zwei Minuten für fünf Kronen. Ortsende. Nach weiteren 300m Inselende.

Und es gibt kein Bier auf Birkholm. Es sei denn, man bringt welches mit. Und weil es am Hafen auch kein Trinkwasser gibt, muss ich bedauerlicherweise auf den bordeigenen Alkohol zurückgreifen. Auf einer Decke am nur 10 Meter vom Boot entfernten Strand sitzend. In der Sonne. Es ist schön. Mission accomplished. Ich habe jetzt fast die Hälfte meiner Tour hinter mir. Plan B erfüllt. Ich bin glücklich, daß ich es gewagt habe. Ich bin stolz, daß ich es geschafft habe. Und verspüre das erste Mal während meiner Reise einen Anflug von Heimweh. Das ist auch gut. Denn irgendwann muss ich ja wieder an Land gehen…

Aber jetzt bin ich hier. Und morgen segele ich nach Søby, um Wiebke für ein Wochenende aufzupicken. Das läutet den vertrauten Teil der Reise ein. Ich werde später noch den Stagsegelschoner Qualle treffen und meine Freundin Karen an Bord nehmen. Und vielleicht auch meine Mutter auf Ærø sehen sowie meine Tochter Janne für die letzte Etappe dabeihaben. Also ist heute so etwas wie ein Wendepunkt, da trifft es sich gut, den mal ganz einhand-geruhsam-einsam auf Birkholm zu feiern…

 

wo bin ich, meine Reisekarte