ErlebnisReich

Tag 13, Donnerstag 18.06.15

Habe ich da gestern ein wenig lamentiert? Denn heute ist wieder einer dieser Tage, der zu Höchstform  aufläuft und mir am laufenden Meter tolle Erlebnisse beschert. Es beginnt recht unspektakulär ganz weltlich mit der überfälligen Wäsche, die zwischenzeit entweder ausgedehntere Handarbeit oder einer Waschmaschine bedarf. Also nutze ich die vorhandenen Möglichkeiten. Svendborg lässt sich zwar alles via Karte bezahlen, ist aber dafür fein ausgestattet.

Waschtag auf Hobo - die aufblasbare Waschmaschine ist in der Steuerbord-Backskiste

Waschtag auf Hobo – die aufblasbare Waschmaschine ist in der Steuerbord-Backskiste

Neue, geräumige Duschkabinen, Waschmaschine, Aufenhaltsraum mit reichlich Stadtinfo, Internet und Hotspot. Am Steg ist die persönliche Lightshow für Kleinkreuzer inklusive: 4 kWh Mindestabnahme kosten 15 Kronen. Ich könnte also Disco machen, nachts – einfach weil ich es kann – Toplicht und Ankerlicht brennen lassen, das Segel in wechselnden Farben anleuchten, Stabmixer und Fön auf Dauerbetrieb schalten und den Salat in der Waeco Box gefriertrocknen. Toll! Am Ende meiner Liegezeit ist immer noch 1 kWh übrig. Nur der Abwaschraum bleibt hinter den Erwartungen zurück, ein Spülbecken im Häuschen gegenüber des Servicegebäudes, direkt neben der Toilette und umweht von Klosteinduft. Nicht so lecker. Was mich zu der Frage bringt, ob die Küche (und das Spülbecken) da waren oder nicht. Das ist ein Insider. Da müsst Ihr Wiebke fragen – in Svenborg würde ich sagen, war die Küche nicht da. Aber vielleicht habe ich nicht richtig geguckt.

Aber meine gewaschene Wäsche ist da, und die Frage: wo trocknen. Klar, es gäbe einen Tümmler, aber hey, wie spießig! Also auf die gesamte Bootslänge Steuerbordreling und an die Baumnock damit. Ich beobachte später, wie Leute stehenbleiben, um sich das Gesamtkunstwerk anzuschauen. Der Stegnachbar fragt, ob ich eine aufblasbare Waschmaschine in der Backskiste hätte. Verknüpft ist die Frage mit einer Einladung auf ein späteres Bier. Geht doch!

Aber zunächst zieht die Wäsche auf eine selbstgebaute Leinenkonstruktion ins Bootsinnere um, da es wieder nach Regen aussieht. Somit ist kein Platz mehr für mich und ich gehe erst mal MS Helge fahren.

Der Capitan und seine Decksfrau machen gerade Mittagspause und dekorieren den Anleger mit Flaggen. Mein „velbekomme!“ quittieren sie mit freundlichem Winken. Ich warte am Steg und stelle mich schließlich am Steuerhaus für meine Fahrkarte an. Eine ewig lange Schlange. Wir sind ganze drei Fahrgäste für die lange Tour nach Valdemars Slot und vier, die sich nur eben über den Sund setzen lassen.

Vor dem ersten Stop erscheint der Kapitän an Deck und bleibt mit verschränkten Armen im Bug stehen. Eine dänische Dame fragt, wer gerade fährt. „Helge kennt den Weg!“ kommt die lachende Antwort, wobei Helge auf den Steg zuhält. Die Decksfrau hat übernommen, und zwischen den weiteren Stops gibt er seiner kleinen Schar von Fahrgästen Tipps, wie die Zeit rund um Valdemars Slot am Besten zu füllen sei. Er bietet uns an, uns auf dem Rückweg in Troense abzuholen. So drehe ich eine Runde durch den Park von Valdemars Slot, lasse die Innenansichten aus und nutze die Zeit statt dessen für einen Spaziergang entlang des Strandes Richtung Troense. Der Ort ist sehr malerisch mit liebevoll gestalteten Reetdachhäusern und schönen Gärten. Erinnert mich entfernt an Arnis, und immer wieder tut sich der Blick auf den windigen, aber wenigstens zeitweilig sonnigen Svendborg Sund und Thurø Bund gegenüber auf. Auch der Sportboothafen, wo ebenso Helge anlegt, ist gemütlich aber auch recht ungeschützt. Der Segler aus Faaborg hatte dies ja angemerkt. Angekommen am Steg sehe ich gerade nach der Abfahrtzeit zurück nach Svendborg –  noch gut eine Stunde Zeit – als Helge von der Stadt kommend um die Ecke biegt. Troense ist Bedarfsanleger, wenn keiner am Steg ist, fährt Helge nur eine Ehrenrunde ohne Anleger, aber er sieht mich wohl und kommt ran, um zu fragen, ob ich schon mit will. Will ich, und so komme ich zu einer Gratis-Ehrenrunde Helge und einem netten Schnack mit Kapitän und Decksfrau auf „Danglysk“. Er kann ziemlich gut Deutsch, ich versuche etwas Dänisch und der Rest geht auf Englisch. Ich erfahre, daß er einen eigenen Segelschoner besessen hat und mit Gästen gesegelt ist,  als Kapitän an der Seefahrtsschule gefahren ist und sich nun freut, abends zu Hause im eigenen Bett zu schlafen. Ich erzähle von meinem Törn, erhalte wiederum einige Tipps und zeige ihm beim Einlaufen in Svendborg Hobo. Er lacht, ja da bist Du überall die Kleinste! Ein Rundum schöner Ausflug!

Das angekündigte Bier im Boot gegenüber schließt sich unmittelbar an, letzteres ebenfalls einhand gesegelt auf dem Weg nach Schweden. Auch hier eine nette, bedächtige  Unterhaltung über das woher und wohin. Anschließen geht es gegen acht Uhr, ich will zum ruhigen Teil des Abends übergehen, als es an den Rumpf klopft. Am Steg steht Bine, wir hatten uns Tags zuvor kurz unterhalten und ich hatte von meiner Familie zu Hause erzählt, die meinenTrip möglich macht. Ob ich auf einen Wein bei ihnen an Bord kommen wolle. Das tue ich wiederum gerne, selten habe ich so viele Einladungen und tolle Menschen auf einen Haufen getroffen…Der Abend bei Jörg und Bine wird sehr nett und lang und ist geprägt von ihren Erinnerung ans Segeln mit junger Familie in kleineren Booten – inzwischen nehmen sie ihre Enkelin mit – und außerdem hat Jörg den einen und anderen Rat bezüglich Navigation und Schiffsführung parat. Wir besprechen meine Strategie für den kommenden windigen Tag – ich will versuchen nach Skarø zu kommen, und ich finde es aufgrund des für mich anspruchsvollen Wetters – 15 Knoten Wind aus West, Strom im Sund, sehr beruhigend, dazu eine zweite Meinung zu hören.

 

wo bin ich, meine Reisekarte