Urlaubsmobbing

Tag 11, Dienstag 16.06.15

Diese bisher kürzeste Etappe gut eine Segelstunde von Rantzausminde ist trotzdem eine sehr schöne! Mein dänischer Gassennachbar hilft mir ungefragt und ganz selbstverständlich vom Nebenboot aus mit den richtigen Handgriffen beim Verholen an die Heckdalben. „Mange tak!“ „Det er fint, jeg også sejler alene.“ Während ich von deutscher Seite Verwunderung bis Respekt ob meines Alleingangs im kleinen Boot ernte („Mensch, als Frau, alleine, Respekt…“), nehmen die Dänen das sehr selbstverständlich.

Besuch von hinten...

Besuch von hinten…

Vor dem Hafen setze ich dann nur das Großsegel – noch vom Vortag gerefft – reffe aber gleich aus, um zügiger voranzukommen. So laufe ich ins Fahrwasser ein, wiederum von Tonne zu Tonne, laut Stromtabelle sollte ich Gegenstrom haben, aber ich komme mit 3 Knoten Fahrt ganz gut voran. Zwei größere Yachten laufen mit, ebenfalls unter Segeln. Die sind auch nicht viel schneller, der eine Skipper will sichtlich vorbei, Schotengezuppel, wir sind aber unmittelbar vor einer durch zwei Gefahrentonnen begrenzten Enge. Ich schieße kurz auf und hänge mich hinter die anderen Boote. So kann ich ungestört genießen und habe außerdem ein schönes Fotomotiv mit Brücke im Hintergrund. Wir gleiten entspannt ostwärts auf die Svendburg Sund Broen zu, die mit 33m Höhe das Wasser überspannt. Es bleibt ausreichend Zeit, um zu fotografieren und zu schauen. Schließlich Motorengeräusch von achtern. Und eine Fähre aus Svendborg kommend. Beide Schiffe etwas größer (kein Wunder aus meiner Perspektive), jedenfalls würden wir drei uns nach meiner Schätzung unter der Brücke begegnen. Muß nicht sein, aber an Steuerbord ist es hier glücklicherweise so tief, dass ich außerhalb des Fahrwassers die Schoten fieren kann, um die beiden passieren zu lassen. Nachdem die Hecksee durch ist, fädele ich mich wieder ein und passiere die Brücke mit Ihren mächtigen Pfeilern. Bin ich wirklich so klein? Beeindruckend. Eine Najad 391 überholt mich. Ein Ehepaar. Er stupst seine Frau an, die Ruder geht und zeigt auf mich, sie guckt, beide winken herzlich und lachen; er zeigt mir „Daumen hoch“. Wie nett!

Jenseits der Svendborg Marina rückt die Stadt mit ihren Geräuschen ans Wassr heran. Rettungswagen, Kinderlachen am Strand, Lärm von der Werft. Im Kontrast dazu grüne Landschaft an der Biegung nach Thurø hin. Svendborg gefällt mir auf Anhieb, hier ist zudem entspanntes Anlegen längsseits an Schwimmstegen im Stadthafen. Die Sonne setzt sich durch, meine Stegnachbarn, ein Ehepaar aus Newhaven mit Motoryacht, spendieren mir an Bord einen Begrüßungskaffee. Wir beobachten, wie eine 40 Fuß Motoryacht aus Belgien festmacht, es folgt eine weitere Motoryacht aus den Niederlanden. Ach, und da kommt ja noch eine. Und noch eine…am Ende sind es 18 (!) Boote, keines kleiner als 35 Fuß. Ich bin neugierig. Eine Teilnehmerin der Flottille erklärt, nachdem ich gefragt habe, ob es sich um eine Ralley handelt: „No, we are on an adventure trip around the island of Fyn“.

Ich bin auch auf Abenteuerreise, muss aber glücklicherweise meinen Liegeplatz nicht vorbestellen…

Die Sonne scheint, ich mache einen kleinen Stadtbummel und finde in der Brogåde eine hübsche Brasserie mit Moule Frites und einem Glas Weißwein. Später betrachte ich das Treiben am Steg, das sich im Cockpit sitzend quasi in Augenhöhe abspielt. Nur sitzen, Sonne im Gesicht, Gin Tonic im Glas, nichts denken müseen, nichts machen müssen. Nur hier und jetzt. Wunderbar. Die anderen sind derweil noch dabei, Tritthöckerchen aufzustellen, um auf Ihre Boote zu kommen und Ihre Kuchenbuden aufzubauen. Baust Du noch oder genießt Du schon? Für die Beschreibung meiner Eindrücke haben Marc und ich ein neues Wort gefunden: „Urlaubsmobbing“.

wo bin ich, meine Reisekarte