Ich hab‘ die Haare schön

Tag 10, Montag 15.06.15

Die angesagten 12-15 Knoten Wind haben mir zunächst durchaus Respekt eingeflößt. Morgens blicke ich über den Faaborg Fjord und sehe einige Segler gemächlich ostwärts ziehen. Damit löst sich das etwas mulmige Gefühl in Zuversicht auf. Ich war kribbelig, schnell los zu kommen, nun nehme ich mir doch noch die Zeit, einige Besorgungen zu machen, den Glockenturm mit schöner Aussicht über den Ort zu besteigen und etwas Zubehör im Segelladen zu erstehen. Mit frisch geräuchertem Lachs schließe ich dann gegen Mittag das Kapitel Faaborg, Hobo ist seit dem Morgen seeklar, nun kann es losgehen.

Mit achterlichen Winden Kurs auf den Svendborg Sund

Mit achterlichen Winden Kurs auf den Svendborg Sund

Etappenziel ist heute nach einigem Überlegen Rantzausminde am Eingang des Svendborg Sund. Ab Mittwoch soll viel Wind kommen, ich bin aber noch unentschlossen, ob ich tatsächlich nach Svendborg will oder doch morgen nach Ærøskøping abbiegen soll, um dort abzuwettern.

Also erst einmal ostwärts und abends weiterplanen. Der Ritt entlang der Inseln Bjørnø, Avernakø, einem Spaßabstecher hinter dem Flach von Flæskholm auf Drejø zu und dann zurück nőrdlich an Skarø vorbei in den Sund hinein versaut mir die Frisur. Es segelt sich zwar mit zweitem Reff und kleiner Fock ganz komfortabel, aber 12 bis 15 Knoten Wind bringen die Haarpracht durcheinander. Ich gerate ich in die Welle, auf die ich gestern aufmerksam gemacht wurde, was wiederum das Rigg kräftig schüttelt und so den Zeiser löst, mit dem ich das eingeschlagene Segel am Baum beigebunden habe. Erst will ich das Ding schwimmen lassen, fahre dann aber doch ein erfolgreiches ZOB Manöver. Jedenfalls habe ich meinen Spaß!

Rantzausminde ist ein kleiner Bootshafen, den die meisten Touristen wegen des nahen Svendborgs vermutlich links liegen lassen. Ich sehe keine weitere deutsche Flagge. Es gibt einen kleinen Imbiss, einfache aber saubere Sanitäranlagen und eine Buslinie in die Stadt.  Darin erschöpft sich die Infrastruktur. Trotzdem ein netter kleiner Hafen für eine Nacht, wenngleich der Abendspaziergang daran scheitert, dass die angrenzenden Villengrundstücke Wassergrundstücke sind, und ich auf einen Marsch entlang der Straße keine Lust habe. Der Hafen umfasst zwei Becken – das westliche, mit den laaaangen Boxen und das östliche mit den kurzen Boxen. Leider auch mit den z.T. nur sehr schmalen Gassen. Dass treibt mir kurz den Schweiß auf die Stirn, weil ich rückwärts rausdrehen muss und der Aussenborder in diese Richtung den Antritt eines Kieslasters hat. Aber wieder klappt alles gut, ich bin fest und beschließe den Abend auf dem mit schönem Blick auf den Sund gelegenen Grillplatz bei einem Feierabendbier. Die Entscheidung steht: morgen geht es nach Svendborg!

wo bin ich, meine Reisekarte